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Netz & Telekom
Inteview mit Achim Kaspar, eTel
eTel "schluckt" yc:networks und ist auf Expansionskurs
Klein, aber fein, hat sich der im Burgenland und in Wien ansässige Telekom-Betreiber eTel zu einem gut positionierten Nischenplayer am heiß umkämpften Telekom-Markt emporgearbeitet. Letzter Coup ist die Akquise des Badener Providers yc:networks Ende September. Federführend für die kontinuierliche Expansionsstrategie ist CEO Dr. Achim Kaspar, der seit drei Jahren die Geschicke des Unternehmens lenkt und sich als VAT-Präsident (Verband alternativer Telekombetreiber) auch für eine gesunde Marktliberalisierung im allgemeinen engagiert.

Christine Wahlmüller

Herr Kaspar, Sie haben mit eTel jetzt yc:networks übernommen, wie sehen Sie den Status Quo von eTel, geht die Expansion weiter?

Zunächst möchte ich sagen, ich freue mich über die erfolgreiche Akquise von yc:networks, wir haben damit ein Unternehmen mit rund 5.200 Kunden, 25 Mitarbeitern und einem Umsatz von ca. 4 Mio. Euro erworben, das sehr gut zu eTel passt. Meine Strategie ist eine ehrliche, aber behutsame Integration, das heißt, wir werden die Marke, die ycn-Produkte und das Team einmal mindestens ein Jahr selbständig weiterlaufen lassen, denn sie arbeiten im Businessbereich ja sehr erfolgreich.

Darüber hinaus können wir natürlich gegenseitig von unserer Kundenbasis profitieren. Auch ohne yc:networks sind wir heuer sehr erfolgreich: Mit 35 Mio. Euro Umsatz hat eTel Österreich im ersten Halbjahr 2005 eine 11 %ige Steigerung erwirtschaftet, damit liegen wir schon über dem Plan. Für das Jahresergebnis erwarten wir eine weitere Steigerung. Weitere Expansionen möchte ich nicht ausschließen, es geht mir aber immer um ein stetiges, gesundes Wachstum.

Die eTel hat ja auch schon einige Akquisen hinter sich...

Ja, das ist richtig, Startschuss war die RSL Com vor rund sechs Jahren, dann wurde Anfang 2003 die European Telecom übernommen, das war gleichzeitig meine erste Aufgabe als Manager, dafür wurde ich als CEO geholt und habe damals Christian Rosner (heute COO beim IT-Systemintegrator S&T, Anm.d.Red.) abgelöst. Dann haben wir 2004 den Provider Comquest, ehemals NetNet, gekauft und jetzt yc:networks.

eTel Österreich ist damit heute Full Service Provider für Sprache, Daten und Internet sowie die größte Landesgesellschaft der eTel-Group (Hauptsitz ist in Dublin/Irland, eTel ist weiters in Tschechien, Slowakei, Ungarn und Polen vertreten, Eigentümer sind zu 60 % private sowie zu 40 % institutionelle Investoren: die Dresdner Kleinwort Capital, ARGUS Capital Partners, Greenhill Capital Partners sowie Intel Capital, Anm.d.Red.), wir haben zur Zeit 45.000 Geschäftskunden und rund 75.000 Privatkunden in ganz Österreich.

Wie sieht Ihre weitere Strategie für heuer und 2006 aus?

Unser Fokus liegt zur Zeit auf Daten und Internet, aber auch zum Beispiel auf Bundle Produkten wie eTel all, einem Gesamtprodukt für Festnetztelefonie, Internet und Mobiltelefonie. Das Produkt gibt es seit drei Monaten am Markt, im Herbst wird jetzt eine Vertriebsoffensive gestartet. Da werden vor allem auch unsere Vertriebspartner stark zum Zuge kommen. Wir sind aber auch mit eigenen Vertriebsbüros in Graz, Salzburg oder Innsbruck vertreten.

Mobiltelefonie bieten Sie aber nicht selbst an...

Richtig, eTel mobil basiert auf einer Partnerschaft mit ONE, wobei wir die Mobiltelefonie bei uns auch im Billing abbilden, d.h. der Kunde bekommt beispielsweise bei eTel mobil und eTel all eine Rechnung für alle inkludierten Services.

etel ist als Marke nicht so sehr bekannt, woran liegt das?

Was andere in eine Marke stecken, verwenden wir lieber für Vertrieb und Akquisitionen, das halte ich für vernünftiger. Außerdem besitzen wir bei unserer Zielgruppe sicher einen guten Brand Value. Für umfassende Großprojekte gibt es ohnehin nicht mehr viele Anbieter am Markt. Da muss man als alternativer Anbieter im Moment froh sein, gegen die Preis-Rabatt-Politik der Telekom Austria beim Kunden anzukommen.

Wie stellt sich eTel im Vergleich zu TA oder Tele2UTA auf, wie können Sie gegen die "Großen" am Markt punkten?

Es ist schwer, sich mit einer TA oder Tele2UTA zu vergleichen, wir sind ein Nischenplayer mit derzeit rund 6 % Marktanteil. Ich denke, wir punkten durch Flexibilität und Kundenservice. Außerdem bauen wir auf namhafte Referenzkunden wie zum Beispiel das AKH, die OÖ. Landesregierung, Libro oder Denzel. Darüber hinaus setzen wir auf unsere Stärke in Zentraleuropa. eTel ist ja nicht nur in Österreich, sondern auch in den angrenzenden Oststaaten aktiv, da verfügen wir auch über ein eigenes Glasfasernetz. Sicher, der Konkurrenzkampf ist brutal, hier wird mit allen Mitteln gekämpft. Die Marktkonsolidierung geht auch noch sicher weiter, da werden noch einige Anbieter auf der Strecke bleiben.

Bedeutet das auch einen Kampf, der weiter über die Preise ausgetragen wird?

Ja, davon bin ich überzeugt. Da steht uns noch einiges bevor. Wobei die Preise ohnehin schon im Keller sind und ich verwehre mich gegen eine Telefonie um null Euro, das kann kein Betreiber auf Dauer verkraften und ist auch nicht im Sinne des Kunden, der Service und Qualität wünscht.

Themenwechsel: VoIP ist nach wie vor in aller Munde, wie stehen Sie dazu?

Oh, das ist ein Schlagwort, unter dem jeder etwas anderes versteht. VoIP, also die echte Internet-Telefonie, das ist Skype, das ist wenn die Oma eine Stunde mit dem Enkel in Australien via Internet (P2P) telefoniert. Ansonsten ist VoIP differenziert zu sehen. Im Carrier-Bereich verwendet eTel diese Technologie bereits zur Übertragung. Im Businessbereich sind jedoch die Ansprüche an Telefonie so hoch, da wird VoIP als Ergänzung eingesetzt. Und ich denke, bei dieser Kombination von klassischer Festnetztelefonie (SS7 Protokoll) und VoIP wird es im Businessbereich noch eine Zeitlang bleiben. Generell gehört aber dem Internetprotokoll die Zukunft.

Sie sind schon seit vielen Jahren im Telekom-Geschäft und waren vor Ihrer Zeit bei eTel Geschäftsführer bei Worldcom, wie haben Sie, sagen wir, die letzten zehn Jahre erlebt?

Ich muss sagen, vor allem turbulent und interessant. Da war alles dabei, von der Goldgräberstimmung bis hin zur Frustration und zum Crash der Branche, wo wir Pleiten wie MCN oder Cybertron erlebt haben, und wo sich internationale Betreiber zurückgezogen haben. Seit einigen Jahren erleben wir eine Marktkonsolidierung, wobei wir schön langsam aufpassen müssen, dass es nicht zu einer Reconquista kommt, in der die Telekom Austria ein De-Facto-Monopol innehat, und alternative Anbieter nicht mehr als Motor für Kundenorientierung und moderate Preise fungieren.

Da setzen Sie ja sowohl als eTel-Chef als auch als VAT-Präsident alle Maßnahmen dagegen...

Ja, aber wir sind natürlich auch sehr auf eine funktionierende Marktregulierung angewiesen. Und die passiert leider viel zu lasch. So ist es zum Beispiel dringend notwendig, dass der Breitband-Markt endlich reguliert wird, hier müssen einheitliche Marktbedingungen für alle Anbieter - inklusive Telekom Austria - geschaffen werden. Außerdem sehe ich meine Tätigkeit als VAT-Präsident auch als altruistische Aufgabe, die Rahmenbedingungen aktiv zu beeinflussen, letztlich ist es ein Beitrag zur Standortentwicklung Österreich in Sinne der heimischen Wirtschaft und aller Kunden.

Letzte Frage: Bleibt noch Zeit für Privatleben und Hobbies?

Aber ja, alles nur eine Frage der Organisation. Wir haben einen vierjährigen Sohn, der uns auf Trab hält, und für Dezember ist ein Geschwisterchen geplant. Die Familie ist mir sehr wichtig und dient als mentaler Stressausgleich. Reisen und Wein runden das Ganze ab.

www.etel.at

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Dr. Christine Wahlmüller

Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. ..mehr..

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