Hierbei leistet die IT demnach nicht nur einen Blick auf vergangenheitsbasierte Unternehmenskennzahlen; im Zuge der Prozessorientierung ergibt sich vielmehr aus der operativen Perspektive auf das Unternehmen ein Mehrwert für Entscheider. Die Fokussierung auf operative Unternehmensprozesse obliegt den wachsenden Kundenanforderungen und verkürzten Produktlebenszyklen auf globalen Märkten.
Flexiblere Entscheidungsfindung notwendig
Nicht zuletzt das Aufkommen von Echtzeitunternehmen fordert ein Umdenken hinsichtlich Agilität, Flexibilität und Automatisierung von Entscheidungen. Forderungen nach einer Echtzeit-Datenverarbeitung, Flexibilität, Reaktionsfähigkeit und Zuverlässigkeit fördern dabei den Wandel zu einem prozessorientierten Systemdenken und flachen Organisationshierarchien. Diese stetig wachsenden Ansprüche der Prozesssteuerung basieren auf komplexen Wertschöpfungssystemen, die eine operative Entscheidungskomponente beinhalten. Was bedeutet dies nun für die IT und insbesondere für das Themenfeld der Business Intelligence, die zukünftig als Grundlage zur Unterstützung der primären Wertschöpfungsaktivitäten fungiert?
Zunächst einmal ergibt sich die Problematik der Latenzzeiten (vgl. Hackathorn [1]), die im Rahmen der klassischen Business Intelligence keine Rolle spielte. Bei den aktuellen Erfordernissen prozessorientierter Unternehmen verhält sich dies indes anders; hierbei ist ein schnelles Eingreifen in operative Geschehnisse von großer Bedeutung. Vor diesem Hintergrund gilt es also im Sinne des Right-Time-Ansatzes, die Aktionszeit zwischen der angefallenen Transaktion und der Umsetzung der darauf eingeleiteten Maßnahme zu verkürzen. Hierbei wird aus informationstechnischer Sicht das Hauptaugenmerk auf die Datenlatenz, die sich auf die Ladevorgänge bezieht, auf die Analyselatenz, die im Rahmen der Aufbereitung der Analyseergebnisse anfällt und auf die Entscheidungslatenz, die im Ergebnis durch automatisierte Entscheidungen minimiert werden kann, gelegt. Zuletzt existiert die Umsetzungslatenz, mithin die Zeit zwischen Maßnahmenentscheidung und deren Ausführung, die es als weitere Herausforderung an die IT zu erfüllen gilt.
Operational Business Intelligence
Ein Weg der fortan beschritten wird, um diese Herausforderungen zu bewältigen, ist der Ansatz der Operational Business Intelligence (OpBI), der zum einen die Informationslücke zwischen strategischer und operativer Ebene kompensiert und zum anderen die Zeitlücke zwischen Transaktion und notwendiger Maßnahme verkürzt.
Ist bei strategischer Business Intelligence in erster Linie das Prozessergebnis selbst von Interesse, stehen bei Operational BI der Prozesszustand und die Teilschritte der Geschäftsprozesse im Fokus, um aktiv und kontinuierlich den Geschäftsprozess verbessern zu können. Operational Business Intelligence soll damit eine signifikante Unterstützung der operativen Entscheidungsfindung bieten, indem laufende Prozesse anforderungsbedingt auf Basis von analytischer Information und strategischen Zielsetzungen semi- bis vollautomatisiert gesteuert werden können.
Hierbei ist jedoch zu bedenken, dass bereits andere Disziplinen, bspw. Operations Research, im Rahmen der Prozesssteuerung- und -optimierung maßgebliche Erfolge erzielt haben und die IT hier kein Alleinstellungsmerkmal beanspruchen darf. Nichtsdestotrotz vereinigt Operational Business Intelligence innovative Bestandteile; so impliziert Operational BI die Schaffung einer Prozesstransparenz, die Synchronisierung von strategischen und operativen Steuerungsgrößen, die Verkürzung der Latenzzeit bis hin zur Echtzeit-Datenverarbeitung sowie die Rückkopplung von Maßnahmen an operative Systeme oder Entscheidungsträger. Die Ausweitung des Nutzerkreises ist in diesem Zusammenhang eine logische Konsequenz der dezentralen Ausrichtung der operativen Ebene. Die Prozessbeteiligten können auf diese Weise in den Prozess eingreifen, sobald sich Störgrößen oder andere Abweichungen im Prozess ergeben.





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Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 
