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Infrastruktur
Server
Vielgeprüft und zukunftsreif
Die Anschaffung von Servern ist eine Rechnung mit vielen Variablen. Mit einem Report zum Thema wollen die US-Berater der Burton Group manche Entscheidungsfindung erleichtern.

"Bei der Auswahl der richtigen Server-Plattform", schreibt Andrew Kutz, "geht es oft vielmehr darum, eine Balance zwischen widersprüchlichen Anforderungen zu finden als eine einfache Anforderungsliste zu erfüllen." Analyst Kutz, inzwischen Consulter für Focus Consulting, verfasste unter Mithilfe seiner Kollegen Nik Simpson und Drue Reeves einen Report für das IT-Beratungshaus Burton Group. Dieser soll Unternehmen bei Fragen rund um den Server-Kauf zur Hand gehen. Tenor: Vorausschauend ausbalancieren und nicht alle drei Jahre versuchen das Rad neu zu erfinden.

Server im x86-Bereich sind typischerweise drei bis fünf Jahre im Einsatz. Angesichts der hohen Fluktuation im IT-Administrationsbereich gehen die Autoren davon aus, dass die aktuelle Mannschaft meist nicht genau weiß, warum ein Gerät in seiner speziellen Konfiguration angeschafft wurde. Dies führt unter anderem zu "vendor hopping": Viele Geräte mögen "best in class" sein, aber eine gemeinsame Verwaltungsebene fehlt.

Zur bunten Bestückung von Rechenzentren trägt auch bei, dass defekte Teile nicht mehr ausgetauscht werden, insbesondere, wenn sich der Support-Zeitraum eines Geräts dem Ende zuneigt. Kutz nennt das Beispiel eines Problems bei der Stromzufuhr. Handelt es sich um einen nicht mehr unterstützten Server, wird dies vom Hersteller zumeist mit der Empfehlung zum Systemaustausch quittiert. All dies kann laut Burton Group ein "Rezept für Chaos" sein.

Abschiedsvorstellung

Die Anschaffung neuer Server aufgrund von Innovation kann ohne Frage auch begründet sein, beispielsweise, wenn eine neue Applikation Zugang zu verteiltem Speicher verlangt oder ein florierendes Geschäft schlicht seiner IT-Infrastruktur zu entwachsen droht.

Auch ziehen Betriebssysteme und Anwendungen, die sich über mehrere Prozessoren hinweg skalieren lassen, laut Kutz Nutzen aus Plattformen, die quad-socket-Konfigurationen unterstützen. Ebenso ist es notwendig bei Software, die Hochverfügbarkeit verlangt, aber die dazu gehörigen Features wie Clustering nicht selbst bereitstellt, die Hardware für diesen Part heranzuziehen.

Ein wichtiger Treiber für Neuanschaffungen ist die Verbreitung von 64-bit-Software. So verlangt Microsofts Exchange Server 2007 die 64-bit-Version von Windows Server sowie die dazu gehörige Hardware.

Beim angesagten Thema Energiesparen kann zwar viel mit gutem thermischen Design und Powermanagement bewegt werden. Doch auch hier sind irgendwann die Grenzen der Optimierbarkeit erreicht. Weil Hardware-Hersteller derzeit stark "grüne" Technologien pushen, kommt es durch teilweise Neuanschaffungen zu weiteren Mischformen im Rechenzentrum.

Grüner Trend bleibt

Für schlichtweg kurzsichtig halten die Autoren des Reports indes die Einschätzungen nicht genannter Analysten, die das Thema Energiesparen bereits wieder am Rückzug sehen. Die 18-monatige Lebensdauer, die dem grünen Trend von diesen Marktbeobachtern zuerkannt wird, trifft laut Kutz nicht zu. So seien zahlreiche Energiesparfunktionen bei Hardware längst noch nicht Standard, dies wiederum ließe einen Rückschluss auf den Nachholbedarf zu. Ebenso sprechen die Anstrengungen der Industrie für ein längeres Verweilen des Themas.

Die IEEE arbeitet an energieffizienten Netzwerkstandards, ebenso sind stromsparende Speicher durch Produktion im 45-nm-Prozess im Kommen. Dies hat insofern Bedeutung, als Server zunehmend Speicher verwenden, um mehrere virtuelle Maschinen zu unterstützen. Dieser Speicher würde "genauso viel" verbrauchen wie CPUs - "oder mehr". Nach Ansicht der Burton Group dürfte es demnach noch bis zu 60 Monate dauern, bis viele der umweltschonenden Technologien den Commodity-Markt erreichen.

Welcher Server ist der richtige

Die Frage, warum in vielen Rechenzentren immer noch Tower-Modelle zu finden sind, liegt für Kutz auf der Hand: Die Geräte sind günstig zu haben und lassen sich problemlos aufstellen. Auch halten die Verfasser der Studie diese als zusätzliche DNS- oder Backup-Server in Zweigniederlassungen für durchaus sinnvoll. Hinzu kommt, dass sich Tower im Highend-Bereich nicht besonders von Rack-mounted-Versionen unterscheiden. Als Beispiel nennen die Autoren die Dell-Modelle PowerEdge 2900 und PowerEdge2950.

Unterschiede gibt es hingegen bei der Ökonomie. Zwar lassen sich auch Tower-Modelle in Racks einbauen, diese unterliegen jedoch strengen Beschränkungen bezüglich der Anzahl senkrecht verbauter Geräte. Unterm Strich empfiehlt der Report Tower für kostenbewusste Kunden ohne Rechenzentrum oder als dezentrale Lösungen. Für alle anderen Einsatzgebiete eignen sich Rack-mounted-Geräte oder virtuelle Maschinen besser.

Im Bereich von Blades sollten Unternehmen dem Formfaktor besonderes Interesse widmen. Viele Hardware-Anbieter würden die Kompatibilität zwischen Chassis und Blade nicht länger als vier bis fünf Jahre aufrecht erhalten. Schafft man demnach nur in solchen Zyklen Geräte an und lässt im Chassis noch Platz für den nächsten Einkauf, könnten bis dahin keine kompatiblen Modelle mehr erhältlich sein. Auch weisen die Autoren auf die anfänglich höheren Kosten der Blade-Systeme gegenüber Rack-mounted-Versionen hin, zumal Kosten für das Chassis hinzukommen.

Wer seine Ressourcen optimieren will und gleichzeitig gute Administrierbarkeit verlangt, dürfte an Virtualisierung nicht vorbeikommen. Zwar würden die Features stark vom jeweiligen Anbieter abhängen, insgesamt sei Virtualisierung jedoch ein intelligenter Schritt, um das meiste aus der vorhandenen Computing-Power herauszuholen.

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IT-Matchmaker
MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außen- handelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Seit 1993 arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für die Tagespresse sowie Fach- und Wirtschaftsmedien. Sein Schwerpunkt sind IT-Themen. ..mehr..

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