Dagegen eingebrachte Rechtsmittel wurden bisher über eine organisch gewachsene - auf Microsoft Office Access 2003 basierende - Rechtsmitteldatenbank erfasst. Ab 2006 stieß diese mit 8.000 Benutzern an ihre Grenzen, auch eine zentrale Wartung war unmöglich. In einer Rekord-Durchlaufzeit von nur 3 Monaten migrierte das BMF die alte Lösung auf die zentral betriebene, skalierbare Web-Anwendung REMIDA. Diese wurde über Microsoft .NET 2.0 auf Basis des egora Frameworks entwickelt, zeichnet sich durch erweiterte Suchfunktionen aus und erfüllt die Anforderungen der Oracle-Datenbank-Strategie im BMF. Ohne Roll-Out- oder Schulungsphase, dafür im für die Mitarbeiter vertrauten Look & Feel ging das neue System im März 2007 in Produktivbetrieb.
Den Ausschlag zum Start der völligen Neuorganisation der Rechtsmittelverwaltung bei den Finanzämtern gaben die steigenden Benutzerzahlen der alten Applikation und die dafür nicht geeignete Architektur der IT-Lösung. Für Christoph Unger von Microsoft Gold Certified Partner rubicon, der 2006 erstmals mit den Anforderungen des BMF konfrontiert wurde, sprach daher viel dafür, die neue REMIDA-Anwendung als möglichst schlanke, webbasierte Lösung zu konzipieren. Zur Reduzierung des Migrationsaufwandes der bestehenden Datenbank-Instanzen von Microsoft Office Access 2003 stellten die Projektpartner eine einzigartige Migrationskonsole bereit, mit der per Knopfdruck die jeweilige Rechtsmitteldatenbank angewählt und die Altdaten importiert werden konnten. Für die Entwicklung der neuen REMIDA-Webanwendung entschied sich das rubicon-Team für das bereits aus anderen E-Government-Projekten in der öffentlichen Verwaltung bewährte egora Framework, welches auf dem Microsoft .NET 2.0 Framework basiert.
Das Zeitbudget für das Umstellungsprojekt war äußerst knapp kalkuliert. "Der Einsatz des egora Frameworks verschaffte uns unter diesen Voraussetzungen einen Riesenvorteil. Ein Großteil der herkömmlichen Entwicklungsarbeit - wie die Regelung des Datenbankzugriffs, die Implementierung eines Berechtigungssystems, oder die Abbildung einer Aufbauorganisation - stand über Microsoft .NET 2.0 bereits standardmäßig zur Verfügung." Das rubicon-Entwicklungsteam konnte sich daher voll und ganz auf die Business-Logik für die konkrete Aufgabenstellung im BMF konzentrieren.
Neue Web-Anwendung
Über die neue Web-Anwendung "REMIDA" erhalten die Finanzamtsmitarbeiter nunmehr Zugang zu einer einheitlichen und vor allem zentral betriebenen Rechtsmitteldatenbank. Die Datenqualität konnte durch eine restriktive Syntax-Überprüfung und die erstmalige zentrale Datenhaltung verbessert werden. Durch die Verknüpfung mit der ebenfalls zentralen Berechtigungsverwaltung des BMF über das Finanzportal ist erstmals ein effizienter IT-Support für die Rechtsmitteldatenbank möglich.
Zentral strukturierte Backup-Mechanismen ersetzen die österreichweite Replikation von Datenbanken. Anstelle von umständlichen manuellen Roll-outs, die keine Garantie auf Vollständigkeit gaben, sind einfache Updates der zentralen Webanwendung getreten, beschreibt Ludwig Moser, BMF, einen der zentralen Nutzen für seine Behörde: "Damit können sich alle berechtigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Finanzämter nicht nur von überall mobil und ortsunabhängig in die Web-Anwendung einklinken, sondern sie ist - selbst nach kurzfristigen Veränderungen - täglich auf dem letzten Stand." Die lokale Installation und der damit verbundene Kopieraufwand, der wichtige Bandbreiten im Netzwerk blockierte, ist nicht mehr erforderlich, so Moser.
Die nachhaltige Akzeptanz für die neue, webbasierte Rechtsmitteldatenbank in den Finanzämtern unterstreicht am besten die rasche Ausdehnung des Anwenderkreises. Schon nach wenigen Monaten ist diese Zahl von geschätzten 8.000 auf nunmehr exakt ermittelte 9.300 berechtigte Benutzer gestiegen. Die webasierende Lösung ist beliebig weiter nach oben skalierbar. Mitverantwortlich dafür ist die gelungene Adaption des Designs der grafischen Benutzeroberfläche der REMIDA-Web-Anwendung. Auch hier stand im Mittelpunkt der Anstrengungen, möglichst viel Zeit zu gewinnen, sagt rubicon-Projektleiter Christoph Unger: "Der Kunde wollte das Look & Feel der abzulösenden Anwendung nahezu beibehalten, um gut eingespielte Arbeitsabläufe in der Finanzverwaltung fortführen zu können."
Durch die Synergie zwischen einerseits den bekannten und andererseits den selbsterklärenden, neuen Funktionalitäten in "REMIDA" ist für die Anwender keinerlei Aufwand für Schulungen angefallen, so das Fazit von rubicon-Projektleiter Christoph Unger: "Dies unterstreicht die Flexiblität und den effizienten Einsatz des egora Frameworks und der darunter zugrunde liegenden Basistechnologie des Microsoft .NET Frameworks."





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Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außen- handelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Seit 1993 arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für die Tagespresse sowie Fach- und Wirtschaftsmedien. Sein Schwerpunkt sind IT-Themen. 
