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Nie mehr Umblättern
Treventus: Erfolgsstory mit Scanroboter
Stolz ist dann eine Kategorie im harten Gründergeschäft, wenn es die ersten Erfolge hagelt. Und die kleine Wiener Firma Treventus, 2004 ersonnen als Spin-off der Technischen Universität, kann zurecht stolz auf das in kurzer Zeit Erreichte sein.

Die fünf hoffnungsvollen Burschen des Start-ups sind von ihrem heurigen CeBIT-Auftritt nämlich mit großen Ehren zurückgekommen. Sie waren unter den drei europäischen Unternehmen, den Grand Price des European Information and Communication Technology Award einheimsten, der als "Nobelpreis" der ICT-Branche gilt. Das Preisgeld: 200.000 Euro.

Was hat die Jury so überzeugt? Treventus hat bis jetzt ein einziges Produkt, das bisher auch nur dreimal verkauft wurde. Aber das hat es in sich: Es handelt sich im einen neuentwickelten automatischen Buchscanner namens ScanRobot, der ganze Bücher in schonender Weise und ohne viel menschliches Zutun digitalisieren kann, erklärt Treventus-Repräsentant Stephan Tratter. Damit haben die Wiener bis jetzt bei der Bayerischen Staatsbibliothek und der Universitätsbibliothek Innsbruck gepunktet.

Christoph Hörmann, Markus Barth, Christoph Bauer, Christoph Bacher, Stephan Tratter (v.l.n.r.)

Also war das Fachinteresse am ScanRobot durchaus da, seit aber der CeBIT-Preis die Runde machte, können sich die Jungunternehmer kaum mehr vor Anfragen aus dem In- und Ausland retten. Unmittelbar an die Preisverkündung haben sich Kontakte zu diversen Uni-Bibliotheken ergeben, sagt Tratter, neben denen in Graz und Wien auch in Göttingen (D).

Es ist ja nicht so, dass der ScanRobot (110 Kilogramm schwer, Preis: rund 70.000 Euro) ohne Konkurrenz wäre: Die Schweizer Firma 4DigitalBooks baut ein ähnliches Gerät, mit dem Unterschied, dass dieses 1,4 Tonnen wiegt und 300.000 Euro kostet. Und in den USA bietet die Firma Kirtas Technologies einen Scanner um umgerechnet 180.000 Euro an. Da können die Wiener durchaus mithalten.

Doch man will nichts überstürzen, besänftigt Tratter die Erwartungen. Mit den 200.000 Euro Preisgeld sollen nun erstmal vier weitere Mitarbeiter eingestellt und die Entwicklung vertieft werden, dann soll erst eine Expansion erfolgen. Mit großen Stückzahlen habe man bis jetzt ja nicht gearbeitet: Neben den drei bis jetzt verkauften Stück liegen zwar noch fünf weitere im Orderbuch, doch für mehr Geräte soll erst die Kapazität geschaffen werden.

Treventus produziert den ScanRobot selbst, und zwar aus Teilen, die zu 90 Prozent aus Österreich zugekauft werden, etwa von der Firma Festo. Falls nun doch eine Großorder eintrudelt, werde man das auch schaffen. "In großen Stückzahlen" soll aber erst ab 2008 produziert werden, sagt Tratter.

Ein Großauftrag könnte aber eher kommen als geplant. Denn der ICT-Preis und die Kontakte der Bayerischen Staatsbibliothek haben eine Wahrnehmungsschneise zum US-Giganten Google geschlagen, der sich ja bekanntlich derzeit hauptsächlich in Handarbeit damit abmüht, das zwischen Buchdeckeln gedruckte Wissen der Welt einzuscannen. "Google wird früher oder später über Scanner nicht herumkommen", orakelt Tratter. Und habe auch die Fühler schon nach Wien ausgestreckt: Heuer im Sommer soll es erste Gespräche geben. Was dabei herauskommt, ist offen, aber immerhin.

Vorher wird Treventus auch finanziell aufmunitioniert. Nun gilt es, Förderansuchen zu stellen und anderes Kapital anzuzapfen. Venture-Investoren hätten auch schon angefragt, doch dafür habe man jetzt "zu wenig Zeit": "Wir wollen erstmal auf kleiner Flamme weiter kochen", meint Tratter. 2008 sollen zehn Mitarbeiter 1,5 Millionen Euro umsetzen, das entspricht rund 20 verkauften Geräten. Das ehrgeizige Ziel: "Marktführerschaft in Europa".

Was ist eigentlich das Besondere am ScanRobot? Im Gegensatz zu anderen Geräten kann man ihn auch an ältere und schützenswerte Bücher lassen, da seine Scanmethode ganz besonders schonend erfolgt. Bücher mit einer Höhe bis zu 32 Zentimeter und einer Dicke bis zu elf Zentimeter sind geeignet, es gehe auch mehr, sagt Tratter. Sie werden in den Scanner eingelegt, wo ein Scankopf softwaregesteuert die einzelnen Blätter ausliest und dann sachte ansaugt, worauf sie ein leichter Luftstoß aus Düsen sanft zum Umblättern bringt. Die patentierte Technologie erlaube "absolut verzerrungsfreie Aufnahmen", schwärmt Tratter.

www.treventus.com

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MONITOR-Autoren
Christian Henner-Fehr

Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. ..mehr..

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