Sprachtelefonie - eine Applikation unter vielen im konvergenten Netzwerk. Seit sich das Internet-Protokoll als universelles Trägermedium verwenden lässt, verschieben sich die Grenzen zwischen analog und digital zusehends. Von stationärer oder mobiler Hardware ausgesandt und empfangen, bewegen sich Bilder, Sprache und Text Seite an Seite im gleichen Netzwerk.
Trotz seiner umfangreichen Möglichkeiten scheuen immer noch viele Mittelstandsunternehmen den Schritt in Richtung VoIP, vor allem in Österreich. Das Thema gilt weiterhin als komplex und wer die Finger davon lässt, macht zumindest keinen Fehler.
Gleichzeitig identifizieren Studien gerade KMUs als den derzeit interessantesten Markt für VoIP-Anbieter. So stellt in den USA eine Erhebung der Analysten von AMI-Partners einen Anstieg der IT-Ausgaben im Mittelstand von zehn Prozent in Aussicht. Ganz oben auf der Prioritätenliste stehen konvergente Sicherheit und VoIP. Und mehr noch: Weltweit zogen die VoIP-Ausgaben der KMUs von 2005 auf 2006 um 26 Prozent auf über drei Mrd. Dollar (2,24 Mrd. Euro) an. Geht es nach AMI, sollen sich die meisten Klein- und Mittelunternehmen in den nächsten fünf Jahren zur Sprachübermittlung über das Internet-Protokoll entschließen.
Entsprechend engagiert ist die Branche, den Firmen die Produkte schmackhaft zu machen. Dass diese weit mehr Möglichkeiten in Aussicht stellen, als billigere Telefongespräche, ist dabei nicht immer bekannt. Als Augenöffner wird daher gern Web Conferencing ins Treffen geführt, zeigt dieses doch eindrucksvoll das Einsparungspotenzial bei Reise- und Telefonkosten. Vor allem jedoch eignen sich konvergente Netzwerke dazu, Administrationskosten zu senken.
Netzqualität als Basis
Wenn die Sprache übers Datennetz fließt und beispielsweise regionale Niederlassungen über ein WAN angebunden sind, verringern sich die Ausgaben für Telefonie deutlich. Auch außerhalb des eigenen Netzes lassen sich große Entfernungen via IP zurücklegen, die letzte Meile wird allerdings meist über herkömmliche Telefonanbieter überwunden. Auch dies kann günstiger sein als klassische Telefonie, bei der Einbindung von weiteren Dienstleistern sollte man jedoch eine gewisse Vorsicht vor versteckten Kosten walten lassen.
Generell gehen Anbieter davon aus, dass bei KMUs der speziell für VoIP abgestellte Mitarbeiter fehlt. Damit verlagern sich Bereiche der Dienstleistung zum einen auf den Channel. Zum anderen unterscheiden sich kleinere Lösungen von Enterprise-Systemen durch einfachere Handhabung und bieten somit ein größeres Do-it-yourself-Potenzial: Neue Mitarbeiter lassen sich einfach per Knopfdruck hinzufügen. Unbedingte Voraussetzung für die reibungslose Funktion einer VoIP-Anwendung ist allerdings eine entsprechende Netzwerkqualität. So bedeutet ein hochwertiges unternehmensinternes LAN etwa nicht, dass es auch das dazu gehörige WAN mit Sprache aufnehmen kann. Sprachübertragung ist besonders empfindlich gegenüber Qualitätsschwankungen und benötigt als höchst unternehmenskritische Anwendung ihren zugesicherten Platz im Netz und damit Quality of Service. Andernfalls quittiert VoIP als Echtzeitapplikation das Abflauen der Qualität mit störenden Echos und Aussetzern. Vor der Einführung einer konvergenten Kommunikationslösung könnten demnach Upgrades beim LAN-Equipment sowie ein Wechsel des ISP anstehen.





11-12/2009
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Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. 
