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IKT-Trends
Lizenzmanagement
Der schmale Grat der Wahrheit

 Interview mit Georg Herrnleben, BSA Austria

"Wir nähern uns dem harten Kern"

Georg Herrnleben, CEE-Chef der Business Software Alliance, über Softwarepiraterie und das Ende des "Waffenstillstands".

„Nicht zuletzt wegen unserer Kontrollen und unserer Aufklärungsarbeit ist die Piraterierate in Österreich auf 26% geschrumpft. Mein Verdacht ist, dass wir uns jetzt dem harten Kern nähern, der das Risiko bewusst in Kauf nimmt.“ - Georg Herrnleben, CEE-Chef der Business Software Alliance, www.bsa.org/austria

Gilt das Verwenden unlizenzierter Software nach wie vor als Kavaliersdelikt, oder hat sich da was verändert?

Gerade in Österreich hat sich deutlich was verändert. 1999 waren 40 Prozent der eingesetzten Software illegal, heute sind es nur mehr 26 Prozent. Das ist im Europa-Vergleich ein geringer Wert. Der Durchschnitt liegt bei 35 Prozent. Allerdings hat sich aktuell der Trend in Österreich wieder umgekehrt.

 

In puncto Unrechtsbewusstsein gibt es aber immer noch einen großen Unterschied zwischen Unternehmen und Privatanwendern oder SOHOs.

Definitiv. Im Privatuser-Bereich herrscht die Meinung vor: ‚Ich bin ein kleiner Fisch, die müssen mich erst einmal erwischen'. Unternehmen sind da sensibler - nicht zuletzt wegen der weit reichenden Folgen. In Österreich gibt es rechtlich eine besondere Situation. Im Gegensatz zu Deutschland ist eine Urheberrechtsverletzung kein Offizialdelikt, die Behörden verfolgen das also nicht von sich aus. Andererseits sind aber die Schadenersatzzahlungen deutlich höher - meistens das Doppelte des entstandenen Schadens. Dazu kommen noch Lizenznachzahlungen und Gerichtskosten. Das hat Modellcharakter.

 

Aber es ist eine Privatanklage erforderlich. Ist die BSA dadurch in Österreich besonders gefordert?

Wir haben wegen des deutlichen Rückgangs der Piraterierate 2005 einen Waffenstillstand ausgerufen. Weil die Rate aber wieder angestiegen ist, haben wir die Kontrollen erneut aufgenommen. Allein in den letzten Wochen sind aufgrund unserer Aktivitäten Schadenersatzzahlungen in der Höhe von 200.000 Euro geleistet worden.

 

Woher bekommen Sie die Hinweise?

Von ausgeschiedenen Mitarbeitern, von Mitbewerbern, aber auch von aktiven IT-Mitarbeitern, die von ihren Vorgesetzten dazu angehalten werden, sich illegal zu verhalten. Die rufen dann verzweifelt an - nicht zuletzt, um zu dokumentieren, dass sie nicht dafür verantwortlich sind.

 

Ist das Geschäft mit illegaler Software mehrheitlich das Werk von Einzeltätern, oder stehen da große kriminelle Organisationen dahinter?

Sowohl als auch. Aber 70 Prozent gehen bereits auf das Konto organisierter Netzwerke, oft aus dem osteuropäischen Ausland. Das kommerzielle Interesse steht deutlich im Vordergrund. Die ‚Robin Hoods' des Marktes, die Raubkopien gratis verteilen, sind stark zurückgedrängt.

 

Ist das Verwenden unlizenzierter Software nicht oft unbeabsichtigt und Produkt von mangelhaftem Lizenzmanagement?

Ja und Nein. Nicht zuletzt wegen unserer Kontrollen und unserer Aufklärungsarbeit ist die Piraterierate in Österreich auf 26 Prozent geschrumpft. Mein Verdacht ist, dass wir uns jetzt dem harten Kern nähern, der das Risiko bewusst in Kauf nimmt.

 

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MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. ..mehr..

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