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IDS Scheer: Globales Wachstum als Zukunftsstrategie
Der frisch gebackene IDS-Scheer-Vorstandsvorsitzende Thomas Volk will das saarländische BPM-Softwarehaus (ARIS) und Beratungsunternehmen zu einem lupenreinen Global Player umformen. Im Gespräch mit dem MONITOR erläutert er seine ambitionierten Pläne.

„Der Prozessgedanke wird durch SOA immer wichtiger, entscheidend ist vor allem die Prozessflexibilität.“ - Wolfram Jost, Technologievorstand IDS-Scheer

"Wir wollen uns weltweit als Full Service Provider für Prozess-und IT-Lösungen positionieren. Unsere Bestandskunden agieren immer globaler, aber auch unsere Mitbewerber. Wir müssen jetzt die Chancen ergreifen, die uns der globale Wettbewerb eröffnet - vor allem in den Wachstumsmärkten", betont Volk. 2005 lag der Gesamtumsatz bei 320 Millionen Euro. 56 Prozent davon wurden im Ausland erzielt. Amerika schlug dabei mit 16 Prozent zu Buche, das boomende Asien gar nur mit 4 Prozent. "Viel zu wenig für einen Global Player", analysiert Volk. Ihm schwebe eine Umsatzverteilung im Konzern von 40 Prozent Nordamerika, 40 Prozent Europa und 20 Prozent Asien vor. Insgesamt will er den Umsatz bis 2010 verdoppeln.

Volk betont, dass diese Ziele im Einklang mit den Vorgaben des Aufsichtsrats stünden. Und dort thront als Vorsitzender August Wilhelm Scheer, Unternehmensgründer und Doyen der deutschen Softwarebranche. Dass mit Volk ein Manager mit ausgewiesener USA-Erfahrung geholt wurde, ist wohl kein Zufall. Dem bisherigen Vorstandssprecher Helmut Kruppke, der als Finanzvorstand im Unternehmen verbleibt, dürfte man die Umsetzung der Globalisierungsstrategie nicht zugetraut haben. Der Diplom-Informatiker Volk war lange Jahre bei Hewlett Packard in Europa und den USA tätig. Von 2003 bis 2006 agierte er als Executive Vice President beim amerikanischen Konkurrenten Sybase.

Aufwind für BPM

Die Rahmenbedingungen für eine globale Ausrichtung sieht Volk derzeit besonders günstig. "Von der IT wird jetzt verstärkt eine Rechtfertigung gegenüber den operativen Geschäftsbereichen verlangt. Aufgrund des Kostendrucks wird gezielter investiert, und zwar in innovative Lösungen, die sich messbar auf den Geschäftserfolg auswirken", so Volk. Das sei die große Chance für Anbieter von Business-Process-Management (BPM)- und Business-Intelligence-Lösungen.

Die Kernkompetenzen von IDS Scheer liegen in der Analyse und Optimierung von Geschäftsprozessen, der Einführung von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware und der Entwicklung von E-Business-Lösungen. Die BPM-Plattform ARIS wird von IT-Analysten wie Gartner und Forrester als marktführend eingestuft. Dreiviertel des Umsatzes werden allerdings mit Consulting-Leistungen generiert - vor allem im Bereich SAP-Implementierung. Der große Bruder in Walldorf ist mit Abstand wichtigster Partner.

Um die weltweite Präsenz, die ARIS-Marktdurchdringung und die Lizenzumsätze zu erhöhen, will Volk das Netz an Technologie- und Vertriebspartnern deutlich ausbauen. Auch der Bereich ARIS-Services soll verstärkt von Partnern wahrgenommen werden. Die neue Produkt-Kooperation mit Oracle sieht Volk als sehr wichtigen Schritt auf diesem Weg und lässt durchklingen, dass vor dem überraschenden Deal mit dem schärfsten SAP-Konkurrenten das "O.K." aus Walldorf eingeholt wurde.

Prozessmanagement als Basis von SOA

Im Consulting-Bereich will sich Volk stärker auf große, global operierende Unternehmen in den Schlüsselindustrien Konsumgüter und Handel, Chemie und Pharma sowie Papier, Textil und Metall fokussieren. Die starke Position in den Bereichen BPM und SCM (Supply Chain Management) soll gefestigt und ausgebaut werden. Die Investitionen in Trendthemen wie Compliance Management, Business Intelligence, Corporate Performance Management sowie SOA (Service oriented Architecture) sollen verstärkt werden. Sockel des Beratungsbereichs bleibt natürlich die Prozessoptimierung auf Basis von mySAP ERP und mySAP All-in-one.

Scheer-Technologievorstand Wolfram Jost ist überzeugt, dass SOA und BPM nicht nur gut zusammenpassen, sondern einander geradezu bedingen. "Der Prozessgedanke wird durch SOA immer wichtiger, entscheidend ist vor allem die Prozessflexibilität", so Jost. Auf der Business-Process-Plattform würden die Prozess-Komponenten entsprechend den Kundenanforderungen montiert. Die einzelnen Software-Services der SOA würden in Zukunft nur mehr den Prozessen und nicht den Funktionen folgen. So sei dann zum Beispiel die Funktion des Vertriebschefs nicht mehr explizit abgebildet. "Er kann sich nur mehr anhand eines Prozesses finden, an dem er beteiligt ist. Wenn die Prozesse nicht dokumentiert sind, findet er sich im neuen System gar nicht mehr", erläutert Jost.

www.ids-scheer.at

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