NetWeaver ist nicht mehr nur die Integrations- und Applikationsplattform von SAP, sondern bildet auch die Basis der Entwicklung in Richtung einer Service Orientierten Architectur (SOA), die mit der angekündigten Business Process Platform (BPP) von SAP angestrebt wird. Indem die BPP auf kombinierbare Funktionsbausteine (Enterprise Services) zurückgreift, soll der Anwender in die Lage versetzt werden, seine Geschäftsprozesse schneller an die stetig wechselnden Anforderungen eines immer dynamischeren Marktes anpassen zu können.
"Strategy Transformation Framework"
Betriebswirtschaftlich basiert SAPs Strategie dabei auf dem "Strategy Transformation Framework" von Geoffrey Moore, TCG Advisors. Um die Unternehmensstrategie zu verwirklichen, brauchen Unternehmen nach seinem Modell sowohl Kern- als auch Kontextprozesse.
Zu den Kontext-Prozessen zählen "notwendige Dinge" wie die Finanzbuchhaltung, die zwar unverzichtbar sind, über die aber keine Differenzierung im Wettbewerb erfolgt. Solche Aufgaben werden deshalb in der Regel kostengünstig mit Standardsoftware bewältigt. Kernprozesse dagegen ermöglichen erst eine Differenzierung. Die Anwendungen dafür müssen jedoch mit hohem Aufwand selbst entwickelt oder teuer eingekauft werden - nur um dann (bei Erfolg) von den Mitbewerbern nachgemacht zu werden, bis der Prozess auch durch Standardsoftware abdeckbar wird. Die einstigen Differenzierungskriterien werden zum Standard - aus Kern- werden Kontextprozesse.
Mit der BPP lassen sich Kernanwendungen übergangslos in den Kontext überführen und standardisiert weiterentwickeln. Umgekehrt lassen sich aus den Diensten im Kontext und dem darin enthaltenen Know-how wieder neue Kernprozesse kombinieren, ohne dass dazu völlig neue Software entwickelt werden müsste. Dank der einheitlichen technologischen Grundlage entfällt die physische Trennung zwischen Kern und Kontext. Der Aufwand für neue Funktionen und Prozesse sinkt deutlich. Dadurch werden auch völlig neue Anwendungsszenarien attraktiv, die den Weg zu neuer Wertschöpfung frei machen.
Vor allem jene Unternehmen werden erfolgreich sein, die Geschäftsprozesse flexibel entwickeln und in der IT abbilden und günstig automatisieren können. Es werden nicht länger Transaktionen automatisiert, sondern Geschäftsprozesse. Web Services und die Enterprise Services Architecture ermöglichen es, Prozesse flexibel zu modellieren und abzubilden. Transaktionen werden in Services verwandelt. Diese lassen sich zu Enterprise Services bündeln, die sinnvolle Interaktionen bereitstellen. Ein Beispiel für eine solche Interaktion ist ein stornierter Auftrag, der stets wiederkehrende Aktivitäten nach sich zieht, etwa "Materialbuchung ändern" oder "Produktionsplan ändern".
Mehr Flexibilität mit Business Process Platform
Die Business Process Platform wird die nächste Erweiterung auf Basis von SAP NetWeaver sein. Ab 2006 wird sie eine völlig neue Flexibilität bei der Abbildung von Geschäftsprozessen bieten. SAPs Kunden bekommen damit den nötigen Spielraum, um Prozesse selbst zu schaffen oder anzupassen. Daneben werden vor allem auch SAP-Partner ihr spezifisches Prozesswissen einsetzen, um aus bestehenden Kerndiensten eine neue Kombination von Services herzustellen und damit neue Prozesse zu erschaffen.
Die BPP trennt die steuernden Prozesse von den ausführenden Diensten. Dadurch lassen sich Veränderungen auf der Prozessebene durchführen, ohne dass Anwendungen völlig neu produziert oder gekauft werden müssen. Es werden einfach die vorhandenen Dienste neu kombiniert. Damit lässt sich auch das Know-how bestehender Softwarekomponenten leicht wieder verwenden - auch für Anwendungen, für die sie ursprünglich gar nicht gedacht waren.
Die Business Process Platform der SAP erlaubt es Unternehmen dadurch, ihre Softwareanwendungen sehr viel stärker mit den Unternehmensprozessen zu verflechten. Am Ende entscheidet nicht mehr die Fähigkeit der Applikationen, welche Geschäftsprozesse Unternehmen modellieren können, sondern umgekehrt. Die Geschäftsprozesse bestimmen, was die Informationstechnologie ausführt. Matthias Haendly, Leiter Product Marketing Enterprise Services Architecture bei SAP, formuliert es so: "Das Zusammenfügen erfolgt auf Business-Ebene, anstelle von rein technologischer Integration."





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Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außen- handelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Seit 1993 arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für die Tagespresse sowie Fach- und Wirtschaftsmedien. Sein Schwerpunkt sind IT-Themen. 
