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Kommunal
Interview mit Harald Neumann, BRZ
E-Government mit Vorbildwirkung
Das Bundesrechenzentrum zählt seit seiner Gründung im Jahr 1997 zu den Vorreitern bei der Entwicklung von E-Government-Lösungen. Know-how, dem auch im europäischen Kontext immer mehr an Bedeutung zukommt. MONITOR sprach darüber mit Mag. Harald Neumann, Geschäftsführer der BRZ GmbH.

Dominik Troger

Themen wie Verwaltungsvereinfachung, Kostensenkung, Konsolidierung sind europaweit aktuell. Welchen Stellenwert haben die E-Government-Lösungen des BRZ im europäischen Kontext?

Das Bundesrechenzentrum kann hier in zwei Bereichen als Beispiel dienen - einerseits mit seinem E-Goverment-Know-how andererseits durch seine rechtliche Konstruktion. Das BRZ wurde bereits 1997 durch die Ausgliederung aus der öffentlichen Verwaltung und die Umwandlung in eine GmbH geschaffen - ein europaweit ziemlich einmaliger Vorgang. Viele europäische Staaten interessieren sich inzwischen für diese österreichische Lösung, um ihre IT-Kosten in der Verwaltung zu senken.

In Sachen E-Government kann das BRZ auf eine ganze Reihe erfolgreicher Lösungen verweisen, wie etwa Finanz Online, help.gv.at, die Einführung des Elektronischen Akts in der Bundesverwaltung. Man darf nicht vergessen, dass das BRZ in diesem Bereich seit Jahren tätig ist. help.gv wurde beispielsweise letztes Jahr mit einem eEurope-Award ausgezeichnet

Kann man sagen, dass das BRZ als Vorzeigemodell für andere Staaten dienen kann?

Ja, es gibt hier ein sehr positives Feedback, nicht nur aus der Europäischen Union. Ganz konkret kann ich hier die Schweiz und Deutschland nennen. Die Schweiz hat in den letzten Jahren von 27 Bundesrechenzentren auf 9 reduziert und möchte noch weiter konsolidieren und vereinfachen. In Deutschland besitzen schon einzelne Ministerien mehrere Rechenzentren, hier steht der Konsolidierungsprozess überhaupt noch aus. In beiden Staaten findet das österreichische Modell viel Beachtung.

Wird das BRZ hier auch als Dienstleister auftreten?

Wir sind gerade dabei, ein Portfolio aus Beratungsleistungen und Lösungen zu erstellen, das dann auch entsprechend vermarktet werden wird. So gibt es beispielsweise konkrete Überlegungen Finanz Online als Applikation für andere Staaten verfügbar zu machen, natürlich mit den entsprechenden rechtlichen Anpassungen. Unsere Fundamts-Lösung ist inzwischen auch bei der Schweizer Bundesbahn im Einsatz.

Beteiligt sich das BRZ an speziellen EU-Programmen zur Unterstützung neuer beziehungsweise zukünftiger Beitrittsländer?

Im Rahmen des EU-Programms PHARE beteiligt sich das BRZ an zwei sogenannten Twinning-Projekten. In Litauen ist es in den Aufbau eines Firmenbuchs eingebunden, in Bulgarien arbeitet das BRZ bei der Erstellung eines IT-Konzeptes für das Justizministerium mit.

Die neuen Mitgliedstaaten beziehungsweise die weiteren Beitrittskandidaten spüren jetzt natürlich den Druck, in Sachen E-Government tätig werden zu müssen. Auch hier sehen wir die Beratungs- und Lösungskompetenz des BRZ gefordert. Das Ziel sollen schließlich europaweit gültige Standards für alle Verwaltungsebenen sein, also nicht nur - jetzt auf Österreich bezogen - zwischen Bund, Ländern, Gemeinden. Man muss diesen europäischen Kontext immer mitdenken.

Wie beurteilen Sie die Auswirkungen der EU-Erweiterung auf das BRZ beziehungsweise die österreichische ITK-Wirtschaft?

Ich rechne langfristig mit einem starken Mitbewerb, zum Beispiel ganz konkret für die heimische Softwareindustrie, aber auch im Bereich IT- und Telekomfachkräfte. Das BRZ wird diese Entwicklung sehr genau im Auge behalten müssen.

Herzlichen Dank für das Gespräch

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