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Moniskop
Evan Machaney`s Leprechauns
Office 2003
Wie jeder von uns haben auch die Leprechauns so ihre "Themen", die gelegentlich ein wenig wie eine Obsession wirken. Manche Belange tauchen immer wieder auf. Es sind jene Dinge, die den Leprechauns unter die Haut gehen und stören. Keine Überraschung war daher, dass wir vor kurzem wieder bei ihrer alten These einrasteten, Software sei zu teuer und kompliziert.

Evan Mahaney

Aus dem Amerikanischen von Reinhard Gantar

Als ich erklärte, ich hätte Microsofts Office 2003-Paket getestet, traf ich genau das Thema, das die Leprechauns gerade beschäftigte. Kurz nachdem sie durch den üblichen magischen Zischer an meiner Tastatur erschienen waren, wurden die Leprechauns sehr still, denn ich erklärte Office 2003 sei "ziemlich cool".

Schließlich brach Fräulein Skeptic, mein liebster zynischer Leprechaun, das Schweigen: "Wie leicht würde sich Frau Bete Grete Normalverbraucher mit der neuen Office Software tun? Würden sie all diese Linien und Farben für kollaborative Textverarbeitung nicht die Wand hochgehen lassen?" Ich hörte einige Leprechauns kichern. Fräulein Skeptic fuhr fort: "Und Bete Grete kann ich mir schon bildlich vorstellen - wenn all diese Schaltflächen und Vorschläge links und rechts von ihrem Dokument auftauchen."

Die Leprechauns sind wahre Meister darin, mich in die Position des Advocatus Diaboli zu drängen, wenn es um Microsoft geht. Ich bin dann derjenige, der sich bemüht neutral zu bleiben, aber die Leprechauns sind so ausgeprägt anti-Big-M, dass ich nicht anders kann, als das ideologische Gegengewicht dazu zu schaffen. Ich erklärte also, das neue Office 2003 sei wirklich großartig - für professionelle Benutzer. Wer weiß, wie man mit den zahlreichen Features umgeht, bekommt alles aus einem Guss. Aber Office 2003 bietet noch mehr als bloße Integration.

Tatsächlich hat das Wort "Integration" im Zusammenhang damit, wie Suites funktionieren, seine Bedeutung bereits verloren, denn besonders Office 2003 präsentiert Information immer griffbereit. Egal ob am Internet, auf der eigenen Festplatte oder e-Mails - was immer für die augenblickliche Aufgabe notwendig ist, ist bereit für die Verarbeitung. Zusätzlich kommt die Möglichkeit ins Spiel, dass mehrere Leute gleichzeitig an den Dokumenten eines Projekts arbeiten können. Und das alles quer durch alle "Zellen" des Pakets - Word, Excel, PowerPoint, Access und Publisher.

Fräulein Skeptic ließ mich meinen Vortrag geduldig beenden, bevor sie ihn demontierte. "Das neue Office ist ganz okay", begann sie, um mich in Sicherheit zu wiegen. "Ihr sagtet aber selbst: 'professionelle Benutzer' - und da haben wir schon den Salat. Man muss sich wirklich gut auskennen, um in den Genuss all der Vorzüge von Office 2003 zu kommen. Und dafür verrechnet Microsoft 279 Dollar für ein lausiges Upgrade für Office Small Business, bzw. 449 für den ersten Erwerb. Office Professional kostet 329 Dollar beim upgraden und 499 für neue Kunden. Du meine Güte, das ist ja wie in der Apotheke. Besonders, wenn man bedenkt, dass Microsoft etwas ganz Ähnliches für 90 Prozent weniger verkauft." Sie zeigte mit ihrem winzigen, aber sehr spitzen Zeigefinger auf mich und fuhr fort. "O Feinschmecker der knusprigen Alaska-Brötchen, Ihr wisst genau wovon ich spreche. Wir haben Euch oft beobachtet, wie Ihr selbst heimlich damit arbeitet."

Fräulein Skeptic sprach über Microsoft Works. Und sie hatte natürlich ganz recht - ich verwende es ziemlich oft. Ich habe mir sogar schon die neue 2004er-Edition angesehen, die neben Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Datenbank und Kalender auch MS Money, Encarta, Picture It und "Streets and Trips" enthält. Letzteres ist für Europäer nicht sehr hilfreich, denn sie enthält nur amerikanische Landkarten und Information, aber jedenfalls ist sie mit dabei, und das ohne Aufpreis. Und die Textverarbeitung ist eine volle Version von Word 2002.

Was ich sagen will, ist folgendes. Die Microsoft Works Suite 2004 kostet 99 Dollar, in der Regel gibt es 15 Dollar Rabatt, macht einen Nettopreis von 84 Dollar. Mit Updates hält sich Microsoft gar nicht lang auf. Das gilt für die USA, denn so steht es auf der Website geschrieben: "US only". Die Leprechauns sagen aber, dass andere Länder jeweils ihre eigenen Rabattsysteme für Works haben.

Weiters gibt es einen noch günstigeren Weg, um an ein gutes MS Works zu kommen - Works 7.0. Es kostet sage und schreibe 54 Dollar 95, und das ebenfalls ohne die 15 Dollar Rabatt. In den USA und Canada kann ich das Paket also für 40 Dollar haben. Dafür bekomme ich Word und ein abgespecktes Excel, das aber mehr kann als die meisten Benutzer jemals brauchen werden. Und eine gute flache Datenbank. Und einen Kalender. Das alles ist extrem sinnreich mit den anderen Funktionen des Computers und untereinander verknüpft. Um das alte Wort "Integration" zu bemühen: Works ist herausragend gut integriert für die Bedürfnisse der meisten Benutzer. Zwar gibt es nicht all die Ausschmückungen für Gruppenarbeit, Markuup und Versionskontrolle des großen Bruders, Office 2003, aber sogar ich muss zugeben, dass 90 Prozent aller Benutzer mit Works besser dran sind als mit Office.

Works beinhaltet auch 500 hochwertige Vorlagen für Geburtstagskarten bis Geschäftsberichte. Wenn man auch andere Microsoft-Programme hat, wie Encarta oder MS Money, Picture it, so stellen sie sich von selbst in den Works "Task Launcher". Irgendwann verwendet man dieses Teil dann als seine Arbeitsumgebung.

Der listige und sehr urbane Mister Barrister fixierte mich mit seinem Anwaltsblick und begann zu sprechen: "Und warum, o Liebhaber der Ambrosia Küchlein, verwendet Ihr Works nur 'manchmal'?" Es war eine Frage, die ich gefürchtet hatte, daher war ich beklommen, aber vorbereitet. In Gedanken sagte ich zu mir selbst: Bringen wir's hinter uns, sag die Wahrheit.

Ich verwende Works, wenn ich die Inhalte nicht als Anlage verschicke. Für Anlagen verwende ich Word, Word XP, um genau zu sein. Viele Leute wissen nicht, dass Works-Dokumente mit Word, WordPerfect oder praktisch jeder anderen Textverarbeitung geöffnet werden können. Darüber hinaus ist es Image-Sache Word-Dokumente zu versenden, und auch ich bin anfällig für Vorurteile, wenn es um die neueste Version geht. Works ist wie ein altes Auto oder ein alter Anzug. Wenn man bei Word, Excel oder PowerPoint nicht up to date ist, wird man nicht ernst genommen. Man ist dann ein Benutzer zweiter Klasse.

Fräulein Skeptic erhob sich von ihrem Platz auf der T-Taste: "Für Snobismus mag das schlecht sein, aber Firmen sind in dieser Hinsicht noch schlechter. Nur über die Leiche des Einkäufers würde er sich mit einer Office Suite um 99 Dollar erwischen lassen, statt die um 499 Dollar zu kaufen. Die 400 Piepen extra sind es, die seine Nase oben, die Augen weg vom Kontostand und die Buchhaltung wach halten. Und daran wird sich nichts ändern, gar nichts."

Als die Leprechauns verschwanden, wie immer einfach so, bemerkte ich noch, dass einer von ihnen mich breit angrinste. Und sie ließen die Zitate zurück, die einer Übersetzung bedürfen.


Zitate, die übersetzt werden müssen

Das Zitat: "Es ist definitiv frauenverachtend. Es ist Punker-Kunst. Aber es ist noch frauenverachtender, menschliche Gene in Milch einzuarbeiten."

Die Umstände: Allannah Currie von der australischen Initiative Mütter gegen Genetik in Nahrungsmitteln und Umwelt, erklärt warum ihre Gruppe riesige Anzeigenflächen gemietet hat, um vierbrüstige Frauen zu zeigen, die an Melkmaschinen angeschlossen sind. Die Öffentlichkeit war jedenfalls ziemlich empört.

Die Übersetzung: Es mag eklig sein, aber wir haben Eure Aufmerksamkeit erhalten und waren in Zeitungen und im Fernsehen rund um den Globus. Und die Genetik-Lobby weiß jetzt, dass wir es ernst meinen.


Das Zitat: "[Diese Firmen]bieten Download von Musik über das Internet an, die auch auf CDs gebrannt werden kann. Wir glauben, das verletzt unsere Patentrechte."

Die Umstände: Der E-Data-Sprecher Gerald Angowitz spricht über seine Firma auf Long Island, die sich auf die Vergabe ihrer Lizenzen konzentriert. E-Data behauptet, Microsoft, Internet-Service-Provider Tiscali und die Digitalmusikfirma OD2 trampeln mit ihrem neuen Musikservice auf ihren Patenten herum. Bald wird es diesen Service auch in Europa geben.

Die Übersetzung: Wir glauben, Ihr verletzt unser Copyright. Aber wir sind korrupt - gebt uns ein bisschen Geld, und wir sind wieder still.


Das Zitat: "Wir sind begeistert von den vielen positiven Reaktionen, die wir durch unser innovatives Produkt erhalten haben."

Die Umstände: Ciprico bei der Vorstellung ihrer Storage-Lösung TALON, das erste RAID-Gerät mit 2Gb/s Fibre Channel. Es erhöht die Speicherkapazität auf Disk Arrays auf 1.4 Terabyte pro Einheit.

Die Übersetzung: Sagen Sie mal "Terabyte". Das ist, wie groß Festplatten in Zukunft gemessen werden. Bald ist Schluss mit Gigabyte.


Das Zitat:"Innovation bestimmt das Erlebnis des Kunden, und "Im Buch suchen" ist ein großartiges Beispiel dafür, wie wir uns bemühen, dass der Kunde das Buch findet, das er will."

Die Umstände: Amazon-CEO Jeff Bezos sagt dies in einem Statement zur Einführung des neuen Suchsystems bei amazon.com, wo man beliebige Suchbegriffe eingeben und alle Seiten und Titel von Büchern erhält, die diesen Begriff enthalten.

Die Übersetzung: Um Ihnen ein Buch zu verkaufen, machen wir einfach alles. Vielen Dank, Google, dass Du uns mit diesem Anreiz versorgen kannst.

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Rüdiger Maier war von 1999 bis 2009 MONITOR Chefredakteur ..mehr..

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