Christian Henner-Fehr
Sie entwickeln neue Konzepte, um die Besucher auf spannende Art und Weise mit Informationen zu versorgen, sie zu unterhalten, aber auch zum Nachdenken anzuregen. Dank der neuen Medien hat sich so manches Museum zum multimedialen Erlebnisort entwickelt.
Auch wenn die Ansätze der Museen dabei höchst unterschiedlich sind, die Möglichkeiten von Multimedia versuchen sie alle zu nutzen. Die meisten Museen verfügen mittlerweile über eine eigene Homepage, auf der sie über ihr Haus informieren.
"Das Potenzial der Website wird aber noch nicht ausgenutzt", glaubt Andreas Rathmanner, Geschäftsführer von FOX mediadesign. Das Unternehmen mit Sitz in Wien, 1991 ursprünglich als Grafikbüro gegründet, arbeitet heute vor allem im Internetbereich. In Zusammenarbeit mit dem Badischen Landesmuseum (BLM) und dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe wurde der Prototyp für ein "virtuelles Museum" entwickelt, das ein eigenständiges Informationsgebäude im virtuellen Raum bildet und sich nicht mehr nur an der realen Struktur eines Museums orientiert.
Unter www.tuerkenbeute.de dient die bedeutende Sammlung der "Karlsruher Türkenbeute", die im Karlsruher Schloss beheimatet ist, als Ausgangsbasis für eine Internet-Inszenierung. Bei der Türkenbeute handelt es sich um Schätze, die Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden aus den Türkenkriegen 1683 - 1691 mitbrachte. 150 Exponate der Sammlung wurden mit verschiedenen, teils sehr aufwändigen Bildaufnahme-Technologien fotografiert, um sie auch interaktiv zugänglich zu machen. Das Ergebnis sind animierte, für den User handhabbare Objekte, die gedreht und von allen Seiten betrachtet werden können.
Da die Museen in der Regel nur einen Bruchteil ihrer Exponate zeigen können, sollten sie, so Rathmanner, statt Neubauten eher virtuelle Räume erschaffen. Die digitale Präsentation erlaube es nicht nur, Informationen jeder Art zur Verfügung zu stellen, sondern die Objekte auch in einen erweiterten Kontext zu stellen und neue Beziehungen zu schaffen. Dies sieht Susanne Erbelding, Projektverantwortliche im Badischen Landesmuseum ähnlich. "Wir wollten weder eine Inventarisierungsseite schaffen noch eine Website ausschließlich für unser Haus. Uns ging es darum, das Thema für das Internet aufzubereiten", beschreibt sie die Ausgangslage. Als Lernmedium mache das Internet unterhaltsames Lernen möglich und so habe man versucht, eine Inszenierung zu erarbeiten, die die verschiedenen Zielgruppen anspreche. So werde das Internet zum musealen Raum. "Visualisierung alleine reicht dabei aber nicht, ebenso wichtig ist die Kontextualisierung, denn Bilder alleine sprechen nicht", beschreibt sie die Herangehensweise.
Mit dem "Virtuellen Museum" sind die Macher dieser Seite auf großes Interesse gestoßen. Rathmanner kann sich gut vorstellen, dass sich die Idee des virtuellen Museums weiterentwickelt. "Es wird rein virtuelle Museen geben, die keine eigenen Sammlungen mehr haben", ist er überzeugt. Für die realen Museen stellt sich aber die Frage, ob sie das virtuelle Museum wirklich möchten, schließlich könnten sie sich ja damit Besucher wegnehmen. Susanne Erbelding glaubt das nicht. Ihrer Meinung nach lassen sich mit einer gut gemachten Website eher Besucher gewinnen. Aber natürlich sei die Seite auch ein Angebot an all diejenigen, die nicht in das Museum kommen wollen oder können. Bis jetzt ist das Interesse am virtuellen Angebot sehr groß, wie die Zugriffszahlen zeigen.
Auf den Besuch des Museums darf nicht verzichten, wer die multimedialen Inszenierungen von Klaus Karlbauer erleben möchte. Mit seiner in Wien ansässigen Firma Karlbauer Produktionen entwickelt er multimediale Installationen. Seit 1995 experimentiert Karlbauer mit dem Verein Movie n' Opera (www.moop.or.at) im Bereich Medientheater und hat sich so die Grundlagen für seine jetzigen Projekte erarbeitet. "Gleich der erste Auftrag für das Amethystzentrum Maissau bedeutete eine Herausforderung", so Karlbauer. Der an der Grenze zwischen Wald- und Weinviertel gelegene Ort ist bekannt für seine Amethystfunde. Zusammen mit den Verantwortlichen habe man einen dramaturgischen Ansatz entwickelt und so das Problem gelöst, wie man die Besucher für das Thema Amethyst interessieren könne. Das Erzeugen von Spannung und der Erlebnischarakter für die Besucher sind für Karlbauer die wesentlichen Elemente seiner Inszenierungen. Auch er selbst versucht sich dem Thema emotional zu nähern. "Mein Denken kommt dabei aus der Musik und bezieht die Elemente Licht und Film mit ein", beschreibt Karlbauer seine Vorgehensweise.
Derzeit gestaltet seine Firma im Auftrag des Nationalpark Hohe Tauern zwei Räume des Kärntner Landesmuseums in Klagenfurt. "Die Herausforderung besteht", so Karlbauer, "in einem alten Relief und zwei Bildern des Malers Markus Pernhart, die alle den Großglockner zeigen und in einem Raum hängen". Diese Raumelemente gelte es nun in ein multimediales Ambiente zu integrieren. Für den Besucher wird dabei die Besteigung des Großglockners vor gut 200 Jahren simuliert. "Er wird zurückversetzt in die Zeit der Erstbesteigung", so Karlbauer. Im zweiten Raum werden den Besuchern Informationen zum Thema Großglockner angeboten. Herzstück ist dabei eine interaktive DVD, die gerade produziert wird. Das Museum selbst erhofft sich durch die Neugestaltung der Räume größere Attraktivität und damit verbunden natürlich auch einen Anstieg der Besucherzahlen. Mit der Neueröffnung dieser beiden Räume im Januar 2004 wird sich dann zeigen, ob das Konzept aufgeht und aus einem "verstaubten Museumsraum" ein multimedialer Erlebnisraum wird.




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Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 
