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Wirtschaft
Frauen in der Informations- und Telekommunikationsbranche - Teil 1
Frauen und IT - Gegensatz oder Zukunfts-Paradies?
Frauen in der Wirtschaft sind heute selbstverständlich. Aber Frauen in der IT-Branche? Hier herrscht zum Teil immer noch gähnende Leere. Obwohl viele Bestrebungen dahin laufen, mehr Mädchen und junge Frauen für diesen Bereich zu faszinieren. Dabei haben Frauen gerade in dieser Branche vielversprechende Chancen. Die neue Monitor-Serie zeigt, was Frauen in der IT leisten (könnten).

Christine Wahlmüller

"Als Frau in dieser Branche hat man Vor- und Nachteile in einem. Manchmal hat man einfach einen leichteren, besseren Zugang zu anderen Kollegen, aber auch zu Problemen und Lösungen. Der Nachteil: Insgesamt muss man sich fachlich schon sehr genau beweisen, bevor man von der Männerwelt akzeptiert wird", umschreibt Susanne Eickmann, IT-Consultant und Coach bei BEKO ihre Erfahrungen in der so männerdominierten Branche. Die 30-jährige zählt sich zu den Quereinsteigern, hat sie doch nach der Matura zunächst einige Semester lang Psychologie studiert, bevor sie eher zufällig über ein Projekt (Entwicklung von Workflow- und Verwaltungssystemen für eine Baugenossenschaft) ihre Liebe zur Informationstechnologie und zum Computer entdeckte. BEKO Informatik zählt übrigens heute insgesamt 276 Mitarbeiter, davon sind 40 Frauen, aber nur 21 davon haben typische IT-Berufe. Diese Situation setzt sich auch bei den Neuzugängen fort. Nur 15% der Bewerbungen stammen von Frauen. In der Top-Ebene gibt es bei BEKO überhaupt keine einzige Frau.

Dieses Beispiel ist für Österreich nicht untypisch. Zwar sind weibliche Angestellte als auch Studentinnen mit jeweils über 50% Anteil den Männern "überlegen", allein Frauen, die sich beruflich für ein technisches Metier entschieden haben, sind noch immer rar gesät. Die Daten sind hier allerdings recht widersprüchlich. So arbeiten laut jüngster Statistik der Unternehmensberatung Eblinger & Partner insgesamt 120.000 Österreicher in der IT/TK-Branche, davon sind nur 6.000 Frauen (5%). Die Statistik Austria weist für das Jahr 2000 rund 150.000 Beschäftigte insgesamt aus, der Frauenanteil wird mit 42.000, d.h. etwa 28 %, relativ hoch beziffert.

Ein Grund für die unterschiedlichen Daten mag die Abgrenzungsproblematik sein. Auch in der IT-Branche gibt es ja genug Marketing-, Vertriebs-, Produktmanagement-, aber auch Sekretärinnen oder Assistentinnen-Jobs - alles Positionen, für die keine IT-Ausbildung notwendig ist, sondern auch gute Anwenderkenntnisse und technisches Verständnis ausreichen. So sieht das Verhältnis Männer zu Frauen bei HP Österreich mit 69 zu 31 % auf den ersten Blick sehr positiv aus. Wie viele Frauen jedoch "echte" IT-Jobs haben, war bei HP nicht zu erfahren. Tatsache ist jedoch, dass HP bereits zweimal von einer Fachjury zum frauenfreundlichsten Unternehmen Wiens gewählt wurde, und dafür den "gläsernen Schuh" erhalten hat. Bei anderen Größen der Branche ergibt sich ebenfalls ein relativ hoher allgemeiner Frauenanteil, während bei den tatsächlichen IT-Jobs nach wie vor die Männer dominieren. Bei der Telekom Austria arbeiten insgesamt 21 % Frauen (18% in IT-Jobs). Bei Microsoft sind es 22% (7% in IT-Jobs) und bei IBM 39% (10% in IT-Jobs). Als Spitzenreiter bei der Rundumfrage des Monitor erwies sich SAP, wo mit 40% "Weiblichkeit" und knapp einem Drittel IT-Frauen (29%) eine eher marktunübliche Situation herrscht. (Alle Daten laut eigenen Angaben des jeweiligen Unternehmens.)

Dass Technik nicht automatisch von Männern "betrieben" werden muss, darüber sind sich einige Einrichtungen einig. Sie alle unterstützen eine Veränderung bzw. fördern die Erhöhung des Frauen-Anteils in der IT-Branche. So hat das Arbeitsmarktservice (AMS) z.B. auf seiner Website einen eigenen Frauenbereich eingerichtet und bietet spezifische Frauen-Broschüren an. Als empfehlenswerte Erstlektüre (für Mädchen und Buben, aber auch Berufs-Umsteigwillige) bietet das AMS die "Berufsinfo EDV" an. Ein umfangreicher Adress- und Service-Teil ist hier ganz selbstverständlich integriert. "Frauen bringen sehr gute Voraussetzungen für eine veränderte Arbeitswelt mit sich. Das Potenzial der Frauen ist jedoch bisher zu wenig genützt", verweist Maria Hofstätter, Leiterin der Abteilung Berufsinformations- und Qualifikationsforschung im AMS, auf den noch niedrigen Frauen-Anteil von ca. 20 bis 25 % in punkto Ausbildung in den neuen IT-Berufen.

Aktivitäten für Frauen

Genau hier setzt das Projekt FIT - Frauen in die Technik - an. Ziel ist es, Schülerinnen möglichst praxisnah mit den Möglichkeiten und Chancen der Technik zu konfrontieren, und das in jedem Bundesland (außer Burgenland, NÖ, Vorarlberg). In Wien gab es zuletzt Ende Jänner Berufsorientierungstage für Schülerinnen an der TU Wien, aber auch auf der Berufs- und Studieninformationsmesse (BeST) Anfang März in der Wiener Stadthalle konnten sich Mädchen auf einem FIT-Stand informieren.

"Viele wissen nicht einmal, wie viele technischen Studienrichtungen es überhaupt gibt, allein in Graz haben wir 35", erklärt Irmela Kofler am Messestand. Die junge Grazerin erzählt, dass sie selbst durch FIT auf ihr jetziges Studium technische Chemie gestoßen ist. "Ich denke, immer mehr Mädchen finden hier einen Zugang, es waren auch viel mehr Besucherinnen da als erwartet", so Kofler.

Ähnliche Zielsetzungen verfolgt auch das Frauenbüro der Stadt Wien (MA57) mit der Initiative jobs4girls. Über 200 Frauenschicksale, zum Teil mit Kontakten, sind derzeit auf der jobs4girls-Website zu finden. Eine weitere Initiative der MA57 ist der Töchtertag, der am 24. April stattfindet. Frauenstadträtin Renate Brauner will damit 11 bis 16-jährigen Mädchen den Einblick in die Arbeitsstätten ihrer Eltern und den Zugang zu technischen bzw. eher unüblichen Berufen für Mädchen ermöglichen.

Aber auch von Seiten der Wirtschaft wird versucht, den Frauen die IT-Branche schmackhafter zu machen. Die Industriellenvereinigung hat unter dem Motto "Die Industrie wird weiblich" eine eigene Website speziell für Mädchen eingerichtet, Ziel ist es wiederum, Mädchen für Technik und IT zu begeistern. Zur Zeit lockt ein Gewinnspiel, die Verlosung erfolgt im Mai im Technischen Museum in Wien.

Dass es in den nächsten Jahren einen stetig wachsenden Frauenanteil geben wird, glaubt Beatrix Hausner von der Österreichischen Computergesellschaft (OCG). "Unsere Aufklärungs- und Sensibilisierungmaßnahmen haben gut gegriffen und werden fortgesetzt", so Hausner. So hat die OCG einen eigenen Arbeitkreis "IT für Frauen" gegründet. Und beim Kongress Women@work im vergangenen September kamen statt der erwarteten 200 plötzlich 600 Frauen. "Die IT-Branche ist eigentlich für Frauen sehr gut geeignet, denn Frauen sind Organisationstalente, kommunikativ, können Zusammenhänge erkennen und somit auch Projekte gut leiten", zählt Hausner die weiblichen Vorzüge auf. Ein Manko sieht sie vor allem in den oft familien-unfreundlichen Rahmenbedingungen in der IT-Branche. Und auch die Job-Anzeigen der IT-Firmen "sprechen Frauen einfach nicht an, vieles ist blau, kühl, männlich, aggressiv", kritisiert Hausner.

Dass Frauen Familie, Beruf und Karriere unter einen Hut bringen wollen, das haben vor allem die großen IT-Unternehmen mittlerweile erkannt - und bieten eine Fülle an Modellen. IBMs "Work Life Programm" richtet sich gleichermaßen an Männer und Frauen. Dazu gehören Gleitzeit, Teilzeit und Telearbeit in unterschiedlichster Form. Voraussetzung ist natürlich, dass sich der oder die ArbeitnehmerIn mit dem jeweiligen Vorgesetzten auf ein Modell einigt. Aber auch ein Familienservice (Vermittlung von Kinderbetreuung) sowie die Möglichkeit zu Gesundheitsvorsorge und Wellness-Angeboten werden bei IBM angeboten.

Problem Karenz

Vor allem für Frauen in höheren Positionen (nicht nur in der IT-Branche) stellt sich oft die Frage: Kind und Teilzeitjob (und schlechte Bezahlung) oder kein Kind und Karriere. - Das muss nicht sein, meint man bei HP. Unternehmenssprecherin Sonja Kölich selbst ist das beste Beispiel. Seit 1. Oktober ist sie in Karenz, nach dem Mutterschutz stieg sie mit einem Teilzeitmodell wieder ein. 4 Tage pro Monat arbeitet sie derzeit im Büro, zusätzlich via Telearbeit auch noch von zu Hause. Demnächst steigt sie mit 20 Stunden pro Woche halbtags wieder ein. In der Zwischenzeit ist ihre Arbeit unter den KollegInnen aufgeteilt. "Es ist alles eine Sache der Organisation, ich habe jetzt für 2 Tage in der Woche eine Kinderfrau engagiert", erklärt Kölich. Zusatz: "Ich bin aber sehr froh, in einem so familienfreundlichen Unternehmen zu arbeiten - die Schwierigkeit ist auch abzuschätzen: Was geht sich in 20 Stunden aus, und was muss man abgeben." Telearbeit ist sicher eine wichtige Möglichkeit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Als Probleme nennt Bibiana Buchtele jedoch vor allem die Verfestigung der Geschlechterrolle in der Familie, die höhere Belastung der Frauen durch Mehrarbeit sowie die Gefahr, Telearbeit als "Allheilmittel" zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu sehen. (Bibiana Buchtele: Telearbeit als Möglichkeit zur Lösung des Vereinbarkeitsproblems von Frauen von Beruf und Familie. WU Wien. Diplomarbeit 2002

Nachwuchs und Zukunft

Dass der Arbeitsmarkt bereits kräftig in Bewegung ist, beweisen junge Frauen wie Marion Unsinn. Die 22-Jährige bewarb sich kurzerhand nach ihrer HAK-Matura vor drei Jahren beim niederösterreichischen Softwarehaus SBB, das sich mit der Software-Lösung UC4 auf Job-Steuerung spezialisiert hat und damit mittlerweile zur Weltmarkt-Elite gehört. "Ich wusste damals eigentlich nichts und hatte außer einem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik mit lächerlichen 4 Wochenstunden eigentlich keine nennenswerte IT-Ausbildung", gesteht sie freimütig. Was sie hatte, war enormes Interesse und Lerneifer. Sie wurde als erste Frau ins IT-Team als Programmiererin aufgenommen. "Der erste Tag war furchtbar, da wollte ich gleich wieder kündigen, aber dann ist es schnell besser geworden." Das Lernen ist ihr geblieben, aus Büchern, von Kollegen, in Schulungen oder einfach learning by doing: "Es kommt jeden Tag für mich Neues dazu, das macht es spannend". Probleme als Frau unter lauter Männern? "Nein, wieso? - Na ja, Quatschen geht mit den Männern nicht so wirklich."

Lesen Sie im Mai-Monitor: Ausbildung und Lehre im IT-Bereich bei Frauen - die Situation an Österreichs HTLs, FHs und Universitäten


Web-Tipps

  • http://www.ams.or.at/frauen Frauenspezifische Informationen des Arbeitsmarktservice - alles Wissenswerte rund um Arbeitsplatz, Jobchancen, Karenz und Wiedereinstieg, Service und Beratung, Broschüren-Download, Linktipps.
  • http://www.wien.gv.at/ma57 Frauenbüro der Stadt Wien
  • http://www.jobs4girls.at Initiative des Frauenbüros der Stadt Wien. Mit umfangreicher Datenbank und über 200 Biographien von Frauen, die im Bereich Technik arbeiten. Motto: Ich war Köchin und bin jetzt Programmiererin.
  • http://www.toechtertag.at Die MA 57 hat den 24. April zum "Töchtertag" bestimmt. Nach dem Erfolg im Vorjahr - rund 200 Mädchen besuchten Siemens - wird heuer mit in Kooperation mit der Wirtschaftskammer versucht, mehr Betriebe zum Mitmachen zu gewinnen.
  • http://www.industriekarriere.at Website der Industriellenvereinigung speziell für Frauen.
  • http://www.fitwien.at, http://www.cis.tugraz.at/fit http://www.fit-tirol.at Das Projekt "Frauen in die Technik", kurz FIT, wird vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und bundesland-spezifischen Sponsoren finanziert und in den Bundesländern selbständig (in unterschiedlichem Ausmaß) betreut. Im Burgenland, in Vorarlberg und Niederösterreich gibt es noch keine FIT-Aktivitäten.
  • http://www.sprungbrett.or.at Berufs- und Lebensberatung für Mädchen in Wien.
  • http://www.ocg.at Die Österreichische Computer-Gesellschaft hat eine Fülle von Aktivitäten und Informationen speziell für Frauen. Motto "IT4her".
  • http://www.abzwien.at Beratung, Unterstützung und Aus- und Weiterbildungschancen für Frauen, insbesondere auch in Kommunikations- und IT-Berufen.

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MONITOR-Autoren
Alexandra Riegler

Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. ..mehr..

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