Der Konkurrenzdruck am Druckermarkt ist sehr groß. Noch stärker spielt sich der Kampf um die Kunden aber bei den Verbrauchsmaterialien ab. Fast schon in jedem Einkaufszentrum oder größerem Supermarkt bieten Refiller ihre Dienste an. Und im Internet wird oft dubiose "Originalware" zu geradezu unwahrscheinlich günstigen Preisen angeboten. Das Thema ist dem Druckerhersteller HP immerhin so wichtig, dass er zum Workshop "HP Science of Supplies" geladen hatte, um die Unterschiede zwischen Originalware, nachgefüllter Tintenpatronen und Ware von Drittanbietern zu diskutieren. Und freilich auch, wie sich die oft doch beträchtlichen Preise für Originaltinte und -toner ergeben.
Wahre Hightech-Produkte
Gleich vorab etwas zur Technik. Ob Toner oder Tinte: die Verbrauchsmaterialien sind unbestritten wahre Hightech-Produkte. So benötigt die Entwicklung eines neuen Druckersystems samt passendem Toner oder Tinte einige Jahre. Denn jedes Tonerteilchen, das übrigens nur 1/16 des Durchmesser eines menschlichen Haares misst und fünf Milliarden Mal in einer Cartridge vorkommt, sowie jedes Tintentröpfchen, von denen Abermillionen pro Sekunde aus den Düsen schießen, muss sehr rasch und präzise auf das Papier aufgetragen werden.
Freilich darf trotz immer höherer Druckgeschwindigkeiten kein Pünktchen verwischen. Entsprechend komplex ist beispielsweise auch die Zusammensetzung eines Toners mit Farbstoffen, Wachs, Charge controll agents und diversen internen und externen Zusätzen. Die wirkliche Zusammensetzung wird freilich streng geheim gehalten.
"Unser Ziel ist vorne zu bleiben", so Bernhard Bette, Manager für HP LaserJet Supplies EMEA, "die Entwicklung geht derzeit dahin, die Temperaturen beim Drucken möglichst niedrig zu halten." Dadurch können unter anderem mit relativ kleinen Laserdruckern Druckgeschwindigkeiten von 62 Seiten pro Minute erreicht werden. Beim Farbdruck spielt wiederum die genaue Positionierung der Farbpartikel eine sehr wichtige Rolle, da dem menschlichen Auge Abweichungen schnell auffallen.
Gut aber teuer?
Aber nun zu den Kosten. Dass Originalware der Hersteller deutlich teurer ist, ist kein Geheimnis. Der grundsätzlich hohe Preis einer Cartridge ergibt sich vor allem dadurch, dass 70 % des gesamten Printsystems in ihr stecken. HP verweist natürlich darauf, dass ihre Produkte laut Tests eine deutlich bessere Qualität liefern.
Besonders sind den HP-Managern aber die versteckten Druckkosten ein Anliegen. Dazu zählen Posten wie nochmaliges Ausdrucken wegen schlechter Druckqualität. Das kostet einiges an Arbeitszeit, Papier, Toner und Energie. Druckerstillstand, aufwendige Reinigung wegen undichter Ware und Co. sind weitere Faktoren. Eine Studie des Testspezialisten QualityLogic hat jedenfalls ergeben, dass die in Tests doch deutlich zuverlässigere Originalware von HP im Vergleich mit anderen Produkten gar einen Kostenvorteil von 124 % gebracht hatte. (http://www.qualitylogic.com/tonertest.pdf). Aber die Konkurrenz schläft freilich nicht.
Tinte, die aus Dutzenden funktionellen Stoffen besteht, hat ebenfalls mit herkömmlicher Tinte nur mehr wenig tun. "Selbst die Tintenpatrone ist nicht nur ein Behälter", so Jochen Ziegler, HP-Marketing Manager EMEA. Bis zu 1.200 Kammern mit Heizstäben verbergen sich etwa darin. "Jede dieser Kammern kann bis zu 30.000 Tropfen pro Sekunde erzeugen", erklärt Ziegler. Und die Tintenformel ermöglicht immerhin 72,9 Millionen Farben.
Die bis vier Jahre Entwicklungszeit
Kein Wunder also, dass zur Entwicklung einer neuen Tinte drei bis vier Jahre notwendig sind. Dass Originalpatronen im Vergleich zu nachgefüllten Patronen besser sind, ergibt sich allein schon wegen der unvermeidlichen Ablagerungen und Abnutzungen. Tests von QualityLogic haben den Originalpatronen auch gegenüber Fremdherstellern bessere Noten gegeben. Es geht laut HP dabei um das ganze Drucksystem, das perfekt in der Entwicklung auf einander abgestimmt werden muss. Trotz Refiller, Tintentankstellen und Co. konnte HP den Marktanteil bei den Tintenpatronen sogar wieder erhöhen, freut sich Ziegler. Auf die Kritik der hohen Preise wurde mit XL-Patronen reagiert, die den Druckpreis pro Seite doch deutlich senken.
Besonders warnt HP aber von gefälschter Ware. In der EMEA-Region kamen im Zeitraum November 2009 bis Jänner 2010 über 2,5 Mio. Fälschung auf den Markt. In Österreich waren es immerhin 1.086. Deshalb sollten Konsumenten auf alle Fälle auf die Sicherheitsmerkmale wie das holographische Siegel mit Kippeffekt achten.




5/2010
3/2010




Rüdiger Maier war von 1999 bis 2009 MONITOR Chefredakteur 
