In der heimischen IT-Branche können nach Einschätzung der Industrie derzeit etwa 3.000 Jobs nicht besetzt werden, weil es schlicht und einfach an geeigneten Kandidaten fehlt. Das sind etwa 1,8 Prozent der Gesamtzahl der IT-Beschäftigten in Österreich.
Auf den ersten Blick nicht viel, möchte man meinen. Dennoch rechnet die IT-Industrie in einer detaillierten Produktivitätsrechnung vor, dass pro Arbeitsplatz und Jahr dem Staat 109.000 Euro an Wertschöpfung entgehen. Das macht dann 327 Mio. Euro an ungeschöpftem Potential für die Volkswirtschaft.
Warum tut sich die Industrie so schwer, geeignete Fachleute zu finden? Schließlich ist doch auch ein Jobabbau in der Industrie im Gange, etwa bei Siemens und der Telekom. Wenn diese Leute teilweise vielleicht nicht mehr am letzten Stand der Software-Technik sein mögen, was hindert den Staat daran, die geeigneten Fortbildungsmaßnahmen anzubieten?
In den Sonntagsreden der Politiker und Kammerfunktionäre hört sich das noch ganz gut an: Österreich und der gesamte westliche Wirtschaftsraum könne sich von Asien á la longue nur dann wirtschaftlich emanzipieren, wenn auf Innovation, Know-how und Spezialistentum gesetzt wird. Gut und schön. Wo aber werden die Grundlagen dafür geschaffen? Nach den letzten Erkenntnissen der Economist Intelligence Unit nimmt Österreich im internationalen Wettkampf der IT-Standorte nur den 22. Platz ein, was für eines der reichsten Länder der Welt mit einem hohen Standard an Technologiekompetenz ziemlich beschämend ist.
Was brauchen wir also? Natürlich den IKT-Masterplan, der schon so oft quer durch die letzten Regierungen auf die lange Bank geschoben wurde, dass an die vollständige Implementierung wahrscheinlich keiner in der Branche mehr glaubt. Das Problem beginnt wie so häufig ganz oben: Die Kompetenzen der Regierung im Bereich IT sind enden wollend, und noch immer steht der Plan aus, wie Österreich den besten Weg zwischen Technologieförderung und freiem Markt finden kann.
Die IT-Branche hat die weltweite Wirtschaftskrise an und für sich mit einem blauen Auge überstanden, darum ist es umso mehr verwunderlich, dass dies von den verantwortlichen Personen auf Politik und Funktionärsebene nicht als Anlass genommen wird, hier mit aller Kraft Unterstützung anzubieten. Denn der Sektor ist wahrscheinlich einer der wenigen, der Europa in den nächsten Jahrzehnten als Grundlage für seine Prosperität dienen kann. Es gilt also: Alle Kraft in die Ausbildung unserer künftigen IT-Experten!




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Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. 
