Die Krise als Verkaufsargument - diese Strategie feiert auch in der Telekom-Branche fröhliche Urständ. Effizienzsteigerung durch moderne TK-Infrastrukturen, Gebühren sparen mit Voice over IP, Kollaborationslösungen und Videokonferenzen zur Einsparung von Reisekosten sind ein paar der gängigen Schlagworte. Der wachsende Kostendruck lenkt den Fokus bei den Unternehmen jedenfalls verstärkt auf das Spannungsfeld zwischen Betriebskosten und Produktivität.
Ist die Krise also ein Segen für die TK-Branche, wie einige Anbieter schon im Frühjahr bei der MONITOR-Telekom-Diskussion (nachzulesen in Ausgabe 4A) behauptet haben? Karim Taga, Managing Director von Athur D. Little (ADL) Austria, ein profunder Kenner des heimischen Telekom-Marktes, differenziert: "Bei jeder Krise gibt es Verlierer und Gewinner. Die reinen Box Mover verlieren, echte Serviceanbieter gewinnen, weil es immer mehr Richtung Lösungen und um die Gesamtkostenbetrachtung geht. Jene Dienstleister, die nachweislich Betriebskosten reduzieren können, haben die besten Karten."
Besonders Managed Services sieht Taga mit rund 4 % Wachstum im Aufwind. Die Nebenstellenanlage zu einem Provider outzusourcen sei eine krisensichere Strategie. Die Vorteile: Man hat immer eine bedarfsgerechte State-of-the-art-Lösung zu einem kalkulierbaren Preis zur Verfügung und um Skalierbarkeit und Neuinvestitionen müsse man sich keine Sorgen mehr machen. Ein Vorreiter war Colt, Telekom Austria, Tele2 und UPC haben nachgezogen. Aber auch Mobilfunker wie T-Mobile bieten mittlerweile IP-Centrex-Lösungen als Managed Service an. Auch im Bereich Housing ortet Taga große Wachstumschancen. Grund dafür ist die Datenexplosion im Contentbereich, etwa bei Portalbetreibern. Weitere Gewinner sind laut ADL Anbieter von IP-VPN (Virtual Private Network) und Ethernet-Connectivity-Lösungen (LAN/WAN).
Konvergenz wird Realtät

„Der Renner sind derzeit Lösungen zur Dokumentation und Planung von Lei -stungsprozessen.“ - Thomas Gruber, mobil-data
Stark im Kommen sind UC-Lösungen als outgesourcte Dienstleistung. Derartige Services ermöglichen auch KMU den Zugang zu Highend-TK-Lösungen. Die Netzbetreiber haben sich dazu Spezialisten wie Kapsch, NextiraOne oder Alcatel-Lucent als Partner ins Boot geholt. "Hosting und Software als Service sind die stärksten Wachstumstreiber bei den Telcos", weiß Taga. "Das geht bis zum gesamten Arbeitsplatz für den Mitarbeiter inklusive ERP- und CRM-Lösung. Die Firma zahlt dafür einen fixen Monatspreis pro Mitarbeiter. Die neue Welt heißt ‚Flatrate'. Das hat auch einen starken Einfluss auf Umsatz und Geschäftsmodell der Telcos. Nicht alle Anbieter sind auf diese neue Geschäftsrealität vorbereitet."
KMU im Fokus der Telcos
Besonders KMU, glaubt Taga, wünschen sich Telekom und IT nach dem One Stop Shop-Prinzip. Christian Bauer, B2B-Marketingleiter der Telekom Austria (TA), sieht das genauso: "Kleinere Firmen wollen einen Anbieter, von dem sie alles aus einer Hand bekommen: Sprachtelefonie, Internet, Nebenstellenanlage und IT-Services. Wir können das in Kombination mit dem größten Netz Österreichs anbieten." Eine Roadshow, mit der die TA im Juni durch ganz Österreich reiste, hatte das Ziel, UC verstärkt auch dem Mittelstand schmackhaft zu machen."UC kann auch kleineren Firmen Kosteneinsparungen und eine Produktivitätssteigerung bringen. Von der IP-Telefonie ausgehend kann die Infrastruktur um Werkzeuge zur Zusammenarbeit erweitert werden. Entscheidend für den Erfolg ist die User-Akzeptanz, und da sehe ich Microsoft mit dem Office Communication Server (MOCS, Anm.) in Front." Auch klassische IT-Dienstleister entdecken UC als wachstumsträchtiges Geschäftsfeld - ein Beweis für das Zusammenwachsen von IT und TK. Die mii AG hat sich im Bereich UC-Kompentenz massiv verstärkt und setzt dabei ebenfalls auf MOCS. "Mit Unified Communications können Unternehmen definitiv ihre Kosten senken - vor allem in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten", erklärt mii-Marketingleiter Mark Schilling.






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Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außen- handelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Seit 1993 arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für die Tagespresse sowie Fach- und Wirtschaftsmedien. Sein Schwerpunkt sind IT-Themen. 
