123 Anbieter im zentraleuropäischen Markt bieten ihre BI-Lösungen an, weltweit sind es mehr als 300. Antworten vermittelte die vierte BI-Tagung "Software für Planung, Reporting, Analyse und OLAP im direkten Vergleich" Ende April, veranstaltet vom österreichischen Controller-Institut (ÖCI) in Kooperation mit dem Business Application Research Center (BARC).
Laut einer aktuellen Studie des österreichischen Controller Instituts (ÖCI) sind nach wie vor 50 % der befragten Unternehmen mit ihren Controlling-Tools unzufrieden und wollen ihre Planungs- und Reporting-Prozesse weiter verbessern. Statt dem bloßen Einsatz von Microsoft Excel sind echte BI-Lösungen gefragt, die Excel integrieren, als Frontend verwenden oder gar ersetzen können. 14 Anbieter stellten sich auf der Tagung einem Produktvergleich und einer Bewertung durch ÖCI und BARC.
"Wir sehen, dass gerade in Zeiten wie diesen der Anspruch und Bedarf an entscheidungsrelevanten Informationen wächst, es muss immer schneller reportet werden", betonte Bernd Kadic, Geschäftsführer des ÖCI. Die Rolle des Controllers habe sich weg vom "Datenschaufeln" hin zum "Beraten und Analysieren gemeinsam mit den Entscheidungsträgern" gewandelt. Die Anforderungen an das Controlling seien generell gestiegen. "Der ideale Controller der Zukunft muss gutes BWL- und Systemtechnik-Know-how besitzen", sagte Kadic.

Bernd Kadic, Geschäftsführer ÖCI (Foto: Christine Wahlmüller)
Gerade das Vernachlässigen dieses dritten Erfolgsfaktors, der organisatorischen Verankerung von BI, führt zu großen Projektrisiken bis hin zum Scheitern der Projekte", warnte Bange, der dringend die Institutionalisierung eines BI-Competence Centers (BICC) empfahl. Zum Thema "Organisation von BI" gibt es übrigens eine Studie, die über die BARC-Website kostenlos verfügbar ist. Auf die Frage, ob es künftig nur noch vier oder fünf Anbieter am BI-Markt geben werde, antwortete der BARC-Geschäftsführer mit einem klaren "Nein". Die Zahl der Anbieter, die BI-Software anbieten (rund 120 in Zentral-Europa) würde sogar künftig noch ansteigen. "Kauf die Lösung, nicht den Anbieter", hatte Bange schließlich noch einen Tipp für die Zuhörer parat.
Excel noch dominant
Eine gerade für den Mittelstand spannende Entwicklung ist die Open Source Bewegung, die auch die BI-Thematik "erfasst" hat. Einziger Open Source Anbieter auf der Tagung und bereits zum zweiten Male dabei war die 2002 gegründete deutsche Jedox mit der Palo BI Suite. Die Software kann kostenlos von der Jedox-Website heruntergeladen werden. "Diese Version reicht sicher für 90 bis 95 % der Anwender", zeigte sich Jedox-Geschäftsführer Kristian Raue überzeugt. Für die restlichen zehn % mit höheren Ansprüchen oder vielen Arbeitsplätzen gibt es eine kostenpflichtige Enterprise-Version. Palo gibt es auch als Software as a Service-(SaaS)-Produkt, d.h. der Zugriff erfolgt über Web Browser, User Id und Password. Ebenso verfügbar ist ein Add-In für Microsoft Excel, d.h. Excel kann als Frontend bzw. reiner Client verwendet werden. Noch heuer soll laut Raue eine neue Palo-Version mit Broadcasting-Funktionalität (Verteilen von BI-Inhalten an breite Anwendergruppe) auf den Markt kommen.

Carsten Bange, Geschäftsführer und Gründer BARC (Business Application Research Center) (Foto: Christine Wahlmüller)
Winterheller, seit 20 Jahren am Markt und klassischer Anbieter von Tools für die Unternehmensplanung, fasst seine Lösungen heute unter dem Begriff "Corporate Performance Management" (CPM 2.0) zusammen. Die Eingabe ist problemlos mit Excel möglich, der Installationsaufwand gering. Produktmanager Thomas Haas will jetzt für frischen Wind am Markt sorgen, seit Ende April steht die Vollversion kostenlos auf der Website zum Download zur Verfügung.
Gute Darstellung und Innovation
Aber es gibt auch "Mutige", die ohne Excel-Add-In auskommen. So präsentierte Bissantz die Lösung Delta Master, ein Frontend vor allem für OLAP-Datenbanken (OLAP = Online-Analytical-Processing). "Die meisten unserer Kunden nutzen die Analysis Services am Microsoft SQL Server (kurz SSAS)", betonte Gerald Butterwege von Bissantz. Delta Master ist insbesondere für analytisches Reporting und Planungsanwendungen gedacht. Butterwege demonstrierte anhand eines Beispiels für Vertriebscontrolling die einfache, intuitive Bedienbarkeit (keine Icons, sondern etwa ein Feld mit "ich möchte...") und die gute Visualisierung. Insbesondere die "grafische Tabelle" (Zahlen plus miniaturisierte Grafik) bietet sehr übersichtliche Darstellungsmöglichkeiten. Butterwege zeigte auch verschiedene Cockpit-Typen und Darstellungs-Kombinationen sowie eine große Palette von Analyseverfahren. Zu den österreichischen Kunden zählen u.a. die Wiener Linien, die Salinen Austria sowie die Leitinger Holzindustrie.
Qliktech, gegründet 1993 in Schweden, gilt als weltweit wachsstumsstärkstes BI-Software-Unternehmen der letzten drei Jahre. Die BI-Lösung Qlikview brachte 2008 ein Umsatzwachstum von 80 %. Auf eine einfache Bedienbarkeit wurde bei der Entwicklung höchsten Wert gelegt. Denn "unsere Zielgruppe ist umfassend: Marketing/Vertrieb, Controlling, Produktion, IT und Einkauf - einfach jeder, der Entscheidungen treffen muss, kann Qlikview gut nutzen", betonte Michael Gruber, Chef der österreichischen Niederlassung in Wels. Qlikview arbeitet ähnlich wie das menschliche Gehirn mit einer patentierten "Associated Query Logic" (AQL). Die Informationen aus verschiedensten Datenquellen werden vernetzt und auf zehn % komprimiert, Schnelligkeit ist damit garantiert. "Mit Qlikview befinden wir uns auf dem Weg zu BI 2.0", meinte Gruber nicht ohne Stolz. Der neueste Report für BI der Aberdeen Group stuft Qlikview als einzige Lösung als "BI-Champion" ein. Zu den heimischen Kunden zählen namhafte Unternehmen wie Lutz, Internorm und der große Fliesenhersteller Lasselsberger sowie auch mittelständische Unternehmen wie Forstinger oder Schlumberger.
Trotz des dichten Informationsprogramms zeigten sich manche Teilnehmer enttäuscht: "Wir befinden uns leider noch in der Steinzeit des IT-unterstützten Controllings, ich vermisse echte Innovationen", urteilte Leonie Wratschko, Leiterin Controlling bei Agrana und eine der wenigen Damen des Teilnehmerkreises.





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Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außen- handelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Seit 1993 arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für die Tagespresse sowie Fach- und Wirtschaftsmedien. Sein Schwerpunkt sind IT-Themen. 
