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Kommunikation
MONITOR-Diskussion: Telekommarkt Österreich
Heimischer Telekommarkt profitiert von der Krise
Die Wirtschaftskrise ist in aller Munde und hat auch Österreich voll erfasst. Monitor wollte wissen, inwieweit der heimische Telekommarkt auch von der Krise betroffen ist und hat eine Expertenrunde eingeladen. Klar ist: Auf moderne Telekommunikationsdienste kann kein Unternehmen heute mehr verzichten. Aber: Die Unternehmen müssen auf die Kostenbremse steigen und kalkulieren messerscharf.

"Die Talsohle der Wirtschaftskrise wird Mitte des Jahres erreicht sein", sagte Ewald Novotny, Generalgouverneur der österreichischen Nationalbank (ÖNB) im März, in der zweiten Jahreshälfte sollen Konjunkturprogramme greifen. Andere Prognosen sprechen von einer Erholung und einer Belebung der Konjunktur 2010 oder 2011. "Wir sehen, dass der Telekommunikations-Bereich ein unverzichtbarer Bestandteil bei den Unternehmen ist", meinte Christian Bauer, Marketingleiter der Telekom Austria (TA), dass "wir dort keine signifikanten Auswirkungen der Wirtschaftskrise merken werden". Viele Unternehmen würden sehr wohl unter Kostendruck stehen, die Telekommunikation könne aber zu Effizienz und Kostenreduktion beitragen, etwa durch Managed Services oder Outsourcing.

„Wir sehen ein Anwachsen bei Managed Services im Internet- und VPN-Bereich.“ - Alfred Pufitsch, Colt Telecom (mit 1. Mai CEO von Tele2)

Eine gezielte Nachfrage nach Managed Services ortete auch Erich Mooshammer, Marketing- und Vertriebsleiter für den Business-Bereich bei Tele2. "Wir merken die Krise zur Zeit kaum, der kritische Teil wird kommen, wenn die Konkurswelle in Österreich anrollt", befürchtete Mooshammer. "Viele Firmen beginnen aber zu überlegen, wie sie ihre Strukturen und Prozesse verbessern können, etwa Reisekosten durch Kommunikationsmedien einzusparen", wusste der Tele2-Manager zu berichten. Und weiter: "Wir werden definitiv in diesem Jahr mehr Geschäft mit den Businesskunden machen", versprühte Mooshammer Optimismus. Zahlen nannte der Tele2-Manager allerdings keine. "Der Spargedanke - mehr für weniger Geld - ist ja schon seit Jahren in unserer Branche", bemerkte Gerald Schwanzer, Marketingleiter bei UPC Austria, ebenfalls durch die Krise kaum Veränderungen und schloss sich in seiner Markteinschätzung Mooshammer an: "Wir werden heuer sicher mehr verkaufen als im letzten Jahr".

"Eine Regulierungskrise haben wir ja schon lange", ging Stefan Köhler, jüngst von der Regulierungsbehörde RTR in die Geschäftsführung des ambitionierten Wiener Business Providers Silver Server gewechselt, auf eine andere Krise ein. "Wir würden ja gerne in den Ausbau einer leistungsstarken Glasfaserinfrastruktur investieren, wieso kann man nicht Leerrohre mitnutzen, die brachliegen?" kritisierte er die verfehlte Infrastruktur-Ausbaupolitik. "Wieso gibt es keine Koordination, wenn es Straßengrabungsarbeiten gibt, dass Leerrohre gleich mitverlegt werden?" so Köhlers Frage und gleichzeitig Vorschlag. Als kleines Unternehmen könne man den Ausbau keinesfalls alleine schaffen, gab er zu bedenken.

Mobilfunker sehen Krise positiv

„Unternehmen suchen gerade in Zeiten wie diesen nach Lösungen, um schneller zu produzieren und rascher beim Kunden zu sein.“ - Bela Virag, T-Mobile

"Wir sehen die Krise als Chance, die Unternehmen suchen gerade in Zeiten wie diesen nach Lösungen, um schneller zu produzieren und rascher beim Kunden zu sein", betonte Bela Virag, Business-Marketingleiter bei T-Mobile. Das bringe mehr "als den Unternehmen zu helfen, ein paar Euro auf der Telekom-Rechnung zu einzusparen", sagte Virag. "Es geht um Effizienzsteigerung, die jetzt ganz massiv in vielen Fällen im Vordergrund steht", schloss sich Reinhard Zuba, Marketingleiter beim Business-Marktführer mobilkom, an. "Wir sehen etwa auf der Push-mail-Seite im Moment massive Zuwachsraten", freute sich Zuba über eine stark zunehmende Nutzung von mobilen Lösungen bei den Unternehmen. "Werte schaffen steht vor Kosteneinsparungen", fasste Zuba ähnlich wie Virag die Situation zusammen.

Trotz aller Lippenbekenntnisse ist die Lage jedoch sehr wohl angespannt. "Man merkt intern schon eine Verunsicherung der Mitarbeiter durch die Krise", gestand Christian Nemeth, Marketingleiter bei Orange, ein, "wir haben aber darauf reagiert und für 2009 eine Jobgarantie abgegeben". Telekom-Services würden zur Zeit eher stärker genutzt, "wir sehen etwa eine stärkere Nutzung der Datendienste am iPod oder auf anderen Smartphones", so Nemeth. "Wir stellen Mitarbeiter ein", setzt Berthold Thoma, CEO von Hutchison "3", auf Expansion, bedingt durch verstärkte Nachfrage: "Die Krise dynamisiert den Markt, das ist für einen Challenger wie uns das Beste, was passieren kann. Wir sind mit der Krise mehr als happy", zeigte sich Thoma als Krisen-Gewinner.

„Mobiles Breitband wird von den Kunden vermehrt als Ergänzung eingesetzt, sowohl im Privat- als auch im Business- Bereich.“ - Christian Bauer, Telekom Austria

"Was wir merken, ist eine gewisse Unsicherheit im Blick nach vorne" legte Wolfgang Leindecker, Marketing-Direktor und seit März auch COO beim Telekom-Dienstleister Nextira One eine viel zurückhaltendere Position an den Tag. Es gäbe auch intern auf Kundenseite Unklarheiten, "viele CIOs wissen noch gar nicht, dass ihre CEOs Projekte verschieben wollen", berichtete Leindecker. Bis es zur Unterschrift bei Projekten komme, würde es jetzt schon länger dauern. "Mit einer kurzen Verschiebung können wir aber ganz gut leben", meinte Leindecker humorvoll. Schlimm sehe es leider im öffentlichen Bereich aus: "Die Ministerien haben ihre Ausgaben komplett auf Null gefahren, da gibt es im Moment überhaupt keinen Auftrag, das ist gänzlich gestoppt", bedauerte Leindecker.

"Die Krise ist nicht wegzuleugnen, aber sie hat auch ihre positive Seiten und hält uns fit. In unserem Kundensegment, bei Banken und Media, sehen wir einerseits, dass der Kosten- und Preisdruck enorm steigt, aber dass gute Leitungen einfach unverzichtbar sind: Wir sehen ein Anwachsen bei Managed Services, im Internet- und VPN-Bereich", betonte Noch-Colt-CEO Alfred Pufitsch. Seit 2002 bei Colt für die Geschäftsführung verantwortlich wird Pufitsch im Mai die Leitung bei Tele2 Österreich übernehmen. Intern und extern gehe es um verbesserte Effizienz. "Colt hat mittlerweile ein industrialisiertes Shared Service Center in Indien, da sitzen 25 % der Belegschaft", betonte Pufitsch.

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Alexandra Riegler

Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. ..mehr..

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