"Ich bin stolz darauf, neben meiner seit über 20 Jahren andauernden Tätigkeit zum weiteren Wachstum des Softwareparks auch wissenschaftlich weiter mithalten zu können", erklärt der Mathematiker Buchberger, der letztes Jahr für seine Theorie der "Gröbner-Basen" den ACM Kanellakis Award ("Oscar der Informatik") in San Francisco übereicht bekam.
Schon vor 35 Jahren gründete er an der Universität Linz das RISC-Institut (Research Institute for Symbolic Computation) und begann 1987 auf Ersuchen des Landes Oberösterreich mit dem Aufbau des Softwareparks. "Als ich zum ersten Mal das alte Schloß hier in Hagenberg sah, wusste ich, dass dies ein idealer Ausgangspunkt sein wird", blickt Buchberger zurück. Das Schloss wurde dann umfassend renoviert und wird heuer weiter ausgebaut: "Wir wollen hier zu einem Weltzentrum für Symbolic Computing werden!"
Ein "magic triangle"

Sorgt seit 20 Jahren für die „geistige Infrastruktur“ zum Wachstum des oberösterreichischen Softwareparks Hagenberg: Dr.phil.Dr. h.c.mult. Bruno Buchberger (Bild: Softwarepark Hagenberg)
Es ist also auch nicht verwunderlich, dass der immer an neuen Projekten arbeitende Mathematiker derzeit versucht, einen wichtigen europäischen IKT-Knoten nach Hagenberg zu bekommen. "Ich versuche immer, mit neuen Projekten einen Ausgleich zwischen den drei Standbeinen des Softwareparks zu erreichen!" Aber auch die angekündigte Ansiedlung eines Google-Rechenzentrums in Oberösterreich versucht Buchberger zu nutzen: "Die Forschungsaktivitäten der 50 Mitarbeiter am RISC-Institut lassen sich auch für das heute viel zitierte "semantic web" nutzen und das versuche ich nun Google zu verdeutlichen. Es wäre einfach schade, wenn unsere Forschungs-Ressourcen nicht entsprechend genutzt würden."
Neue Projekte
"Neben dem Ausbau des Schlosses für die RISC-Aktivitäten sollen hier demnächst ein Hotel, eine Sporthalle und ein Shuttle-Service verwirklicht werden", erläutert Buchberger seine Pläne für die nähere Zukunft. Während er die Zielgruppe der inländischen FH-Studenten im Bereich IT eher als erschöpft betrachtet, will er sich nun vermehrt um die Gewinnung ausländischer Master-Studenten bemühen. "Ich reise selbst in die Zielländer und besuche Universitäten, um die besten Köpfe für uns zu gewinnen!" Bezahlt wird der einjährige Aufenthalt der Master-Studierenden durch die Industrie: "Jedes interessierte Unternehmen zahlt jährlich 12.000 Euro und kann dafür das Thema der Abschlussarbeit bestimmen", skizziert Buchberger das Konzept.
Nach einer fünfmonatigen Spezialausbildung zum Thema wechselt der Studierende für weitere fünf Monate in das Unternehmen, um dort gemeinsam mit seinem Betreuer die Arbeit fertig zu stellen. Erklärtes Ziel ist es, 200 bis 300 solche Studierende jährlich hierher zu bekommen. "Um solche hoch qualifizierten Studenten zu bekommen, müssen wir uns international akkreditieren lassen und auch für die entsprechende Infrastruktur (z.B. Studentenheime) sorgen."
Von den ersten Absolventen hat nun bereits einer ein eigenes Unternehmen in Hagenberg gegründet, acht weitere bleiben für ihr Doktoratsstudium in Oberösterreich. "Wenn die Absolventen gleich hier ein Unternehmen gründen, dann wäre das für mich die optimale Kombination", so der Softwarepark-Leiter. Über einen eigenen internationalen "Inkubator" sollen nämlich auch Unternehmensgründungen ausländischer Wissenschaftler gezielt gefördert werden. "Um das nötige Geld habe ich mich bereits gekümmert, auch ein Gremium zur Auswahl geeigneter Projekte wurde geschaffen."
Die Entstehung vieler kleiner und innovativer Unternehmen soll die Position des ITK-Standorts Oberösterreich stärken. "Um dieses Projekt voranzubringen werde ich etwa im Mai in die USA reisen, um dort mit kleineren ITK-Firmen zu verhandeln, denen dort in der Finanzkrise das Geld ausgegangen ist", skizziert Buchberger auch ungewöhnliche Wege, um seinen Ideen zum Durchbruch zu verhelfen. Er fühle sich einfach weiter verpflichtet, in Hagenberg für die richtige "geistige Infrastruktur" zu sorgen: "Ich stoße Dinge an und gebe sie dann gerne weiter, wenn sie bereits laufen gelernt haben!"
8 Forschungsinstitutionen
Umfassendes Ausbildungsprogramm
- internationales Doktoratsstudium
- International Studies for Informatics
- 14 Fachhochschul-Studiengänge
- Bundes-Oberstufen-Realgymnasium
Beschäftigte und Studierende
Mitarbeiter gesamt: 1024
- Wirtschaft: 390
- Forschung: 199
- Ausbildung: 398
- Infrastruktur: 37
Studierende gesamt: 1.415
- Doktorats-Studenten: 25
- Internationale Masterstudenten: 27
- Diplomstudenten: 10
- FH-Studenten: 1.268
- Schüler BORG: 112





11-12/2009
10a/2009
10/2009



Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 
