Bei der Abwicklung von Projekten kommt dabei zunehmend Projekt-Portfolio-Management-Software (PPM-Software) zum Einsatz. Diese Systeme unterstützen neben dem klassischen Projektmanagement auch Prozesse des Demand Managements, der Projektpriorisierung und -auswahl sowie die systematische Steuerung von Projekten in Multiprojektumgebungen. In einer aktuellen Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Frederik Ahlemann hat das Institute of Research on Information Systems (IRIS) der European Business School (EBS) die führenden Produkte dieser Softwaregattung einer Analyse unterzogen.
Die Großen schlucken die Kleinen
Auf Grund seiner noch geringen Größe wurde der Markt für Projekt- und Projekt-Portfolio-Management-Software jahrelang von großen Softwareherstellern wie IBM, HP oder CA ignoriert. In den letzten Jahren hat sich allerdings PPM so verbreitet, dass die Absatz- und Umsatzchancen auch für große Softwareunternehmen attraktiv geworden sind. Statt langwieriger Eigenentwicklungen gingen die meisten großen Anbieter den Weg der Akquisition unter den zahlreichen kleinen bis mittelgroßen Herstellern von PPM-Lösungen. IBM hat so durch die Übernahmen von Systemcorp und FocalPoint sein Rational-Produktportfolio ergänzt. Ähnliches gilt für HP und CA, die ihre IT-Management-Suiten um PPM-Software durch Aufkäufe abgerundet haben.
Mittelgroße PPM-Spezialisten wie Planisware oder Planview setzen häufig auf Wachstumsstrategien, um nicht selbst zum Übernahmekandidaten zu werden. Kleine, häufig national agierende, Hersteller geraten durch die Dominanz der großen und mittelgroßen Hersteller zunehmend in Schwierigkeiten, sofern sie sich nicht geeignet differenzieren können. Dazu bedienen diese Hersteller Nischen, die von größeren Unternehmen aufgrund des geringeren Umsatzpotenzials als nicht attraktiv bewertet werden. Solche Nischenlösungen können zum Beispiel ein kombiniertes Auftrags- und Projektmanagement für kleine Dienstleistungsunternehmen wie Unternehmensberatungen oder IT-Dienstleister, oder eine auf speziellen Plattformen wie Lotus Notes basierende Lösung für das Projektmanagement sein. Dennoch: Eine Reihe von kleineren Anbietern tut sich derzeit schwer die eigenen Umsätze zu halten oder auszubauen. Hier ist mit einer weiteren Bereinigung des Marktes zu rechnen, die auch bei Investitionsentscheidungen beachtet werden sollte.
Auf dem Weg zur integrierten Lösung für das strategische IT-Management
Einhergehend mit der Marktkonsolidierung und der Aufnahme von PPM-Sofware in das Produktportfolio großer Software-Hersteller zeichnet sich auch eine zunehmende Integration von Projektmanagement-Software mit verwandten IT-Systemen ab. So verbindet beispielsweise HP seine Lösung Project and Portfolio Management Center über direkte Schnittstellen mit den Produkten Quality Center und Service Management Center. Daten von Änderungsanforderungen für Anwendungssysteme, die im Service Management Center auflaufen und die zu einem Projekt führen, können direkt in die PPM-Lösung übernommen werden.
Von dort stehen die Daten über Schnittstellen auch im Quality Center zur Verfügung, so dass auf dieser Grundlage Testszenarien vorbereitet werden können. Diese Entwicklung zur stärkeren Integration mit anderen IT-Management-Lösungen ist jedoch aufgrund inkompatibler und uneinheitlich definierter Schnittstellen und Datenaustauschformate derzeit häufig noch auf die Produkte eines Herstellers beschränkt. Abhilfe soll hier die Einführung Service-orientierter Architekturen schaffen, die eine standardbasierte Verknüpfung der Funktionalität verschiedener System bringen soll. Als Basistechnologie für den Austausch von Informationen dient in diesem Fall XML. Ein einheitliches Format für PPM-Daten gibt es derzeit jedoch noch nicht. Abhilfe könnte die neue DIN-Norm für das Projektmanagement schaffen, die in Kürze veröffentlicht wird und ein einheitliches Datenmodell umfasst.
Die Bereitstellung von standardisierten Schnittstellen ist ein wichtiger Bestandteil der zunehmenden Integration des PPM in das strategische IT Management, die in den letzten Jahren zu beobachten ist. CA, HP, IBM oder Planview decken bereits ganz oder teilweise Bereiche wie Demand-, Asset -, Service-, Compliance- und Supplier-Management ab. Insgesamt werden die einzelnen Bereiche des strategischen IT-Managements jedoch noch unterschiedlich stark durch die gängigen Lösungen abgedeckt, wie beistehende Tabelle verdeutlicht. Eine zentrale Bedeutung fällt dabei der Integration des PPM mit dem Enterprise Architecture Management (EAM) zu. Da das EAM die Unternehmensarchitektur in Form von technischer Infrastruktur, Applikationen und Prozesse erfasst und diese Elemente an der Unternehmensstrategie in Form von Zielarchitekturen ausrichtet, gibt es vielfältige Verbindungen zum PPM. Schon heute sind fortgeschrittene Organisationen in der Lage, ihre IT-Projektportfolio direkt aus dem IT-Bebauungsplan abzuleiten und neue Projekte direkt von ihrem EAM in das PPM-Tool zu importieren.
Insgesamt ist diese Entwicklung für die anwendenden Unternehmen viel versprechend, heute sind solche Lösungen aber noch mit viel Anpassungsaufwand verbunden. Es wird bis zur weitgehenden Realisierung durch führende Anbieter noch etwa drei bis fünf Jahre vergehen. Dann ist damit zu rechnen, dass diese Systeme entweder aus sich heraus oder durch Integration mit Nachbarsystemen die wesentlichen Bereiche des strategischen IT-Managements abdecken.





11-12/2009
10a/2009
10/2009



Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 
