Schon im November rief VÖSI-Präsident Prof. Ing. Peter Kotauczek in einem Statement die Wirtschaftskammer zu mehr Zusammenarbeit auf. Und der Aufruf wurde auch erhört: Der Obmann des Fachverbandes Unternehmensberatung und Informationstechnologie (UBIT) der Wirtschaftskammer Österreich, Alfred Harl und Kotauczek vereinbarten beim Branchentalk intensive Zusammenarbeit und schnelle telefonische ("Rotes Telefon") Abstimmung bei allen die Interessen der österreichischen Softwarebranche betreffenden Agenden.
Kooperationen angestrebt
Auch das neue VÖSI-Vorstandsmitglied Thomas Lutz unterstrich im Gespräch die Bedeutung der Zusammenarbeit in der Branche: "Das Gespräch z.B. mit den Telekommunikationsanbietern (Branchenverband ISPA) und den IT-Dienstleistern wollen wir gezielt verstärken." Ein Vorbild könnte dabei etwa der starke deutsche BITKOM-Verband sein, der durch die Bündelung der Einzelinteressen in einem Dachverband sein politisches Gewicht erheblich gestärkt hat. Durch die Verbindung der verschiedenen Technologien bei den Nutzern liege eine derartige Zusammenarbeit auf der Hand, unterstreicht auch Kotauczek. "Themen wir die Vorratsdaten-Speicherung oder die Netzwerk-Neutralität sind auch für uns immer wichtiger!"
Gesellschaftspolitische Auswirkungen thematisieren
Grundsätzlich sei heute in immer mehr Bereichen Software im Einsatz, die etwa im Bereich der im Internet angesiedelten sozialen Netzwerke auch einen bedeutenden Faktor bei den Veränderungen in der Gesellschaft darstellt: "Gerade auch hier wünschen wir uns einen stärkeren Kontakt mit der Politik, um auf diese Veränderungen in der Gesellschaft reagieren zu können!" Vorbilder auf europäischer Ebene seien hier vor allem nordische Länder (Finnland, Schweden), aber auch Portugal habe kürzlich einen interessanten politischen Vorstoß zur Stärkung seiner IT-Wahrnehmung gemacht.
Forschung und Jungunternehmen
Im Hinblick auf die Verstärkung der ITK-Forschung in Österreich (Stichwort: Das aktuelle Papier des Forschungsrats zur IKT-Forschungsstrategie; siehe dazu auch die Wiedergabe der MONITOR-Diskussion in dieser Ausgabe) gebe es ebenfalls zu wenig Koordination: "Unser Vorstandsmitglied Prof. Dipl.-Inform. Günter Koch sitzt in vielen einschlägigen Gremien. Allerdings fehlt leider eine Plattform zur Abstimmung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft bei den Forschungsthemen", so Kotauczek. Auch beim Thema Förderung von ITK-Jungunternehmen sieht der VÖSI-Präsident Verbesserungsmöglichkeiten: "Es gibt quantitativ viele Gründungen in Österreich, aber leider wachsen diese Unternehmen in den folgenden Jahren nicht in dem gewünschten Maß. Aber für die Entwicklung neuer Arbeitsplätze brauchen wir wachsende Unternehmen!" Auch gebe es zu wenig Start-Ups, denen es gelingt, in ihrem Bereich auch über die Grenzen hinaus eine Themenführerschaft zu übernehmen.
Hoch qualifizierte Mitarbeiter werden weiter gesucht
Zum in den letzten Jahren oft beklagten Mangel an qualifizierten Arbeitskräften für die ITK-Industrie könne man derzeit aufgrund der weltwirtschaftlichen Schwierigkeiten keine genaueren Angaben machen. Es stehe aber fest, dass es strukturell " an hervorragend ausgebildeten Mitarbeitern sicher auch weiter mangle". Während allerdings der Trend der Abwanderung reiner Software-Entwicklung in Länder wie Rumänien oder Indien ebenfalls weiter fortschreiten werde, brauche man in Österreich vor allem Wissen über die Integration von Systemen in die IT-Landschaften von Unternehmen. "Wir wünschen uns einmal mehr ein Standort-relevantes ITK-Konzept für Österreich, das die nationale Verankerung der Software-bzw. ITK-Industrie stärkt und ihr damit auch den Wettbewerb im internationalen Umfeld erleichtert."
- 1. Verstärkter IKT Einsatz in der öffentlichen Verwaltung
- 2. Qualitativ überdurchschnittliche und intensive Bildung von Fachpersonal
- 3. Verbesserte Konditionen inkl. der Kapitalisierung von IKT-Unternehmensgründungen
- 4. Intensivierung und Professionalisierung des Austausches zwischen Wissenschaft/Forschung und der Softwarebranche
- 5. Schaffung eines verbesserten Investitionsklimas durch einen langfristig orientierten, umfassenden IKT Masterplan der Bundesregierung
- 6. Sichtbarmachung und Promotion der nationalen Software-Leistungspotentiale als ein wesentlicher Baustein des international zu kommunizierenden Wirtschaftsprofils Österreichs
- 7. Weiterentwicklung der öffentlichen Breitband-Infrastruktur in Richtung einer höherwertigen Service-Infrastruktur als konjunkturbelebende Investition auch in die "unsichtbare" Intelligenz-Infrastruktur (Bildung, Forschung, Software)





11-12/2009
10a/2009
10/2009



Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. 
