Trotz oder gerade wegen der Wirtschaftskrise: Länder wie Deutschland, China oder die USA investieren derzeit massiv in Forschung und haben ihr (staatliches) Forschungsbudget sogar in hohem Ausmaß aufgestockt. Nicht so Österreich. Hier wird zur Zeit an allen Ecken und Enden gespart. Auch die Forscher sollen jetzt statt der bis zum Jahr 2013 zugesagten 2,3 Mrd. Euro nur einen Bruchteil erhalten. Das hat den Rat für Forschungs- und Technologieentwicklung (Rat FTE) alarmiert. Knut Consemüller, FTE-Ratsvorsitzender, warnte schon im Dezember: "Wenn wir nicht ausreichend in Forschung, Entwicklung und Ausbildung investieren, büßt Österreich internationale Wettbewerbsfähigkeit ein. Und das würde viele Arbeitsplätze kosten". Konkret forderte Consemüller sogar noch eine Steigerung: "Mehr als drei Mrd. Euro sind notwendig" (Um das von der EU geforderte Ziel von 3 % Anteil am BIP für die Forschung bis 2010 zu erreichen, Anm.d.Red.).

„Wir finden es sehr schade, dass man jetzt bei Forschungsausgaben auf die Bremse steigt.“ - DI Wilfried Seyruck, WKO/UBIT
Den Stellenwert der IKT wurde auch in einem eigenen Strategiepapier festgeschrieben, dass der FTE-Rat Ende 2008 präsentiert hat. Die Vision der Strategie: Im Jahr 2020 liegt Österreich, bezogen auf die F&E-Intensität des Unternehmenssektors, unter den Top Drei aller EU-Länder - und damit in der internationalen Spitzengruppe der IKT-Nationen. Dafür braucht es einen ressortübergreifenden strategischen Rahmen, damit Österreich mit klarem Profil als ausgezeichneter IKT-Forschungsstandort positioniert wird - und auf alle Fälle Investitionen statt Einsparungen.
Kampf um Forschungsgelder
Ausgehend von der Lücke im Forschungsbudget "geht es vor allem einmal darum, dass Institutionen wie die Akademie der Wissenschaften, die Christian Doppler-Gesellschaft etc. zumindest in ihren bestehenden Strukturen in irgendeiner Form weiter geführt werden können, ohne dass es zu einschneidenden Maßnahmen wie etwa Personalabbau kommen muss", stellte Constanze Stockhammer, IKT-Referentin beim FTE-Rat, eingangs fest.
Allerdings müsse man sich vor Augen halten, dass man bis 2010 das Ziel von 3 % und bis 2020 von 4 % erreichen wolle. "Wir halten es daher für wichtig, proaktiv an die Regierung heranzutreten, um diesen Pfad weiterverfolgen zu können". Dazu gab es bereits im Dezember und Jänner Round-Tables der betroffenen Institutionen. Es werde auch ein neues FTE-Strategiepapier 2020 geben, kündigte Stockhammer an, das konkret fünf Handlungsfelder beinhalten werde: Geld d.h. Forschungsfinanzierung, Humanressourcen, Schnittstelle Wissenschaft - Gesellschaft, die Strukturen sowie Forschungs-Infrastruktur.

„Es ist wichtig, die Attraktivität des österreichischen Forschungsstandorts zu heben und die Frauenquote zu erhöhen.“ - Mag. Constanze Stockhammer, RFTE
"Auf der EU-Ebene sehe ich keine Gefährdung, ganz im Gegensatz zur nationalen Ebene", stellte dazu WU-Wirtschaftsinformatik-Professor Robert Hansen fest. Aber auch die dritte Säule, die privaten Stiftungen, die Forschung finanzieren, wie etwa den WWTF (Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds) dürfe man nicht vergessen. "Angesichts der Entwicklungen der Aktienkurse wird es bei allen diesen Stiftungen zu starken Rückgängen bzw. zu einer Nullausschüttung kommen", warnte Hansen.





11-12/2009
10a/2009
10/2009



Rüdiger Maier war von 1999 bis 2009 MONITOR Chefredakteur 
