Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei die zeitnahe Kontrolle von Unternehmenskennzahlen ein Muss, betonte MONITOR-Chefredakteur Rüdiger Maier in seinem Begrüßungsstatement. Eine Chance, die es für BI-Anbieter zu nutzen gelte. Mit der Frage nach der aktuellen Marktsituation übergab er das Wort an das Podium. Die Hersteller zeigten sich mit dem Jahr 2008 zufrieden und berichteten unisono von einer positiven Geschäftsentwicklung. Siegmund Priglinger, Unternehmensberater und BARC-Repräsentant in Österreich, konstatierte jedoch auf Kundenseite eine durch die Krise ausgelöste Verschiebung des Einsatzspektrums von BI. "Früher lag der Fokus auf Wachstum. Jetzt will man eher den Kundenstamm halten und operative Kosten einsparen", so der Analyst. BI müsse daher jetzt besser mit den operativen Fachabteilungen gekoppelt werden.
Bei den Anbietern kristallisieren sich laut Priglinger zwei Gruppen heraus. "Die erste Gruppe hat alles aufgekauft und bietet ganze Suiten mit allen BI-Schichten bis hinunter zur Datenintegration. Die zweite Gruppe hat sich hoch spezialisiert, zum Beispiel Microstrategy auf Reporting und Analyse. Genauso gibt es Spezialisten für Datenqualität und Datenintegration. In der Anwenderpraxis werden die Lösungen sehr oft gemischt eingesetzt, Spezialisten und Suiten werden kombiniert."
Als Vertreter der ersten Gruppe erklärte Gerhard Zeiner, COO SAP Österreich, dass bei der Integration des 2008 übernommenen BI-Spezialisten Business Objects "das Beste aus beiden Welten" im neuen BI-Portfolio von SAP zusammengeführt werde. Die Lösungen würden sowohl als Suite als auch modular zur Verfügung stehen. Auch für Bestandskunden werde es "klare Migrationspfade" geben. "Unser Ziel ist, die Unternehmensanforderungen in allen Phasen abzudecken - von der Strategie zur Umsetzung und wieder retour. Der Knackpunkt ist derzeit, wie schnell ich auf sich ändernde Marktbedingungen strategisch reagieren kann. Auch die Bereiche Compliance, Risikomanagement und Corporate Governance sehen wir als eine wesentliche Säule unseres BI-Portfolios."
Kürzere Projekte
Auch in puncto Projektdauer haben sich laut Priglinger die Marktanforderungen verändert. "Die Projekte müssen heute in wesentlich kürzerer Zeit durchlaufen als früher. Alles über einem halben Jahr ist nicht mehr machbar. Wichtig ist ein stufenweises Vorgehen, das auf den Reifegrad des Unternehmens Rücksicht nimmt. Die Frage ist, wo stehe ich, und wo kann ich im nächsten Schritt hinkommen, um ein vernünftiges Optimum zu erreichen."
Für IBM, das mit Cognos ebenfalls einen großen BI-Spezialisten übernommen hat, erklärte BI Service Manager Erkan Utku: "Was IBM in seiner BI-Schiene gefehlt hat - ein Reporting- und Analysewerkzeug - konnten wir mit Cognos perfekt ergänzen. Den Kunden können wir durch die Größe von IBM im Hintergrund große Sicherheit und auch eine rasche Projektabwicklung bieten. Der Anspruch von Cognos war nie, jahrelange Mammutprojekte durchzuführen, sondern den Kunden schnell dort zu helfen, wo der Schuh drückt."
Dorette Dülsner, Bereichsleiterin Business Solutions Microsoft Österreich erklärte, dass Microsofts BI-Strategie "vom Ansatz her nicht toolgestützt" sei. "Wir nennen das ‚Konzeptionelle Business Intelligence'. Das heißt, dass den Anwendern schon in unseren ERP- und CRM-Systemen vielfältige BI-Funktionalitäten zur Verfügung stehen. Wir wollen BI für jeden Mitarbeiter entsprechend seiner Rolle und seiner Befugnisse verfügbar machen." Für Sommer 2009 kündigte Dülsner die Integration der Funktionalitäten von PerformancePoint Server 2007 in den SharePoint Server 2007 an, der "ein weit verbreitetes BI-Tool" sei.
Die Spezialisten - mit oder gegen die Großen?
Als Vertreterin eines kleinen Spezialanbieters konstatierte Monika Koch, Geschäftsführerin von Winterheller Software: "Ich fühle mich wahnsinnig wohl in dieser Runde mit den Großen, denn wir können eigentlich mit jedem. Im Hinblick auf Datenfluss-Konzepte können wir alles angehen, alles anzapfen und alles verarbeiten. Wir verkaufen eigentlich keine Software, sondern Sicherheit, dass Unternehmen die richtigen Entscheidungen treffen können." Und an das Auditorium gerichtet meinte Koch: "Wir sind eine sehr gute Ergänzung für alles, was Sie im Unternehmen parat haben, und können auch alles genau so aufbereiten, wie Sie es brauchen. Unsere Anpassungsfähigkeit ist sensationell."
Einen großen unabhängigen BI-Spezialisten am Markt vertrat Wolfgang Mayer, Direktor Microstrategy Österreich: "Unsere Spezialität ist Reporting und Analyse. Auf diesem Gebiet wollen wir beweisen, dass wir die besten sind. Für die Gesamtlösung gibt es verschiedene Möglichkeiten: Bei IBM oder SAP können Sie alles von A bis Z einkaufen. Unser Weg ist ein anderer. Wir wollen gemeinsam mit Partnern aus dem Datenbank- und ETL-Bereich (Datenextraktion und -Aufbereitung, Anm.) den Kunden ‚best of breed' anbieten. So gesehen können wir mit vielen, aber wir wollen nicht wirklich mit allen.





11-12/2009
10a/2009
10/2009



Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. 
