Unglaublich, aber wahr. Kaum zehn Jahre ist es her, dass die Telekom Liberalisierung in Österreich einen wahren Gründungsboom im Telekom-Sektor auslöste. Erinnern wir uns: Insbesondere die alternativen Festnetz-Anbieter, die anboten, billiger zu telefonieren, schossen quasi über Nacht wie "Schwammerln" aus der Erde. Mit der Telekom-Liberalisierung wurde auch die Regulierungsbehörde RTR gegründet. Sie sollte damals wie heute für eine gesunde Markt-Entwicklung der Telekom-Branche sorgen, was angesichts der Marktmacht der Telekom Austria, damals noch Post (PTA), deren Netz und bestehender Kundschaft, sicher keine leichte Aufgabe war.
Wettbewerbsaufsicht und Streitschlichtung, insbesondere im Festnetz-Bereich, waren daher von Anfang an ständig auf der Tagesordnung. Am ersten Oktober 1997 wurde Univ.-Prof. Heinrich Otruba vom damaligen Wissenschaftsminister zum Geschäftsführer der Telekom Control GmbH ernannt. Organisationsaufbau, Personalkonzept und Rekrutierungsstrategie, EDV-Ausschreibung und die Auswahl des Firmensitzes waren die ersten wichtigen Fragen, die Otruba und die Jenewein Management Beratung Ende 1997 beschäftigten.
Internet wird leistbar
Auch zahlreiche Internet Provider wie etwa Enet, magnet, netway oder mycity in Baden, um nur einige zu nennen, feierten 1997 durch Einführung des sogenannten Online-Tarifs einen echten Höhenflug: Die Internet-Nutzung wurde spürbar billiger. Denn zuvor war der "normale" Telefontarif auch für die Internet-Nutzung an die Post (PTA) zu bezahlen, der neue "Online-Tarif" mit wenigen Groschen pro Minute öffnete vielen erstmals auch finanziell die Möglichkeit, in den Genuss von Internet zu kommen.
Rund 70 Internet Provider hatten bei der PTA die neuen Zugangsnummern (beginnend mit 071891...) geordert und waren damit im Umkreis von rund 50 km um ihre "Einwahlknoten" zum neuen Online-Tarif erreichbar. Für die Internet-Nutzung waren somit neuerdings nur noch etwa halb so viel wie für ein (Festnetz-)Telefonat in der Regionalzone (Standardtarif: 53 Groschen/Minute (3,9 Cent) in der Geschäftszeit, 18 Groschen/Minute (1,3 Cent) in der übrigen Zeit) zu bezahlen.
Damals natürlich noch mit Einwahlmodem und einer heute unvorstellbar langsamen Übertragungskapazität von maximal 256/56kbit/s. Aber nicht nur der Online Tarif, auch die schöne Welt des WWW (World Wide Web) erfreute sich zusehends einer immer größeren Fangemeinde. Und es gab einen ersten Ruck auch bei den Unternehmen hin zu einer eigenen, allerdings meist sehr einfach gehaltenen "Homepage". Eine wichtige Rolle spielte bereits E-Mail, insbesondere in größeren Firmen und im privaten Bereich wurde sie gerne als praktische und schnelle Kommunikationsmöglichkeit genutzt.
Weniger ausgeprägt war die Nutzung im KMU-Bereich. Laut einer Studie des Instituts für Handel und Gewerbeforschung aus dem Jahr 1997 hatten zwar drei Viertel aller Betriebe zumindest einen Computer im Einsatz, aber nur zehn Prozent der KMUs besaßen einen Zugang zum Internet. Trotzdem war das bereits ein toller Erfolg, denn noch zwei Jahre zuvor hatte nur ein Viertel davon (2,5 Prozent) Internet im Einsatz. Zum Vergleich: Dieselbe Studie zeigt auf, dass bereits rund zwei Drittel der KMU Mobiltelefone nutzten. Als wichtigster Anwendungsbereich für die Telekommunikation galt einhellig die Administration. An zweiter Stelle wurde von den damals Befragten die Kooperation mit vor- und nachgelagerten Betrieben genannt. Dadurch kam es auch zu einer sehr raschen, zunehmenden Entwicklung der elektronischen Datenübertragung sowie der Vernetzung von Hersteller- und Abnehmerbetrieben. 1995 sahen die KMU diesen Einsatzbereich für den eigenen Betrieb übrigens noch als eher unwichtig an. Dass das Internet für eine Vielzahl von Anwendungen eine wichtige Basis darstellt, zeigt die Entwicklung von MP3.
MP3-Siegeszug beginnt
Die Idee zu MP3 entstand bereits in den siebziger Jahren: Es ging darum, Töne oder Musik datenreduziert zu speichern, um sie über herkömmliche Telefonleitungen zu übertragen. Erst 1987 stellten Mitarbeiter unter der Leitung von Karl Heinz Brandenburg am Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen das Ergebnis vor: ISO MPEG Audio Layer 3, kurz MP3. Anders als normale softwarebasierte Methoden komprimiert MP3 nicht einfach, es reduziert Daten anhand der menschlichen Hörfähigkeiten. Amerikanische Studenten entdeckten MP3 jedoch schnell, um ihre Musik über das Internet auszutauschen. Bald waren es Millionen, die auf diese Weise ihre Musiksammlungen aufpeppten, unterstützt von professionell organisierten Tauschbörsen. Bekannten Beispielen wie Napster oder Kazaa drohte im Lizenzkrieg mit den Musikkonzernen in den 90ern das Aus. Doch man einigte sich darauf, Musikdateien legal bezahlt zur Verfügung stellen zu dürfen.
1997 startete Michael Robertson auch mp3.com als Website zur Information über mp3-Technologie, Encoder, Player etc. Sehr rasch wurde mp3.com zum damals größten legalen Downloadportal für Musik im mp3-Format weiterentwickelt. Bis zum ersten "mobilen" MP3-Player sollte es aber noch ein Jahr länger dauern. Erst 1998 kamen die ersten beiden tragbaren MP3-Spieler auf den Markt: der "Rio 300" von Diamond Multimedia in den USA und kurze Zeit später der "MPMan" von Saehan Information Systems in Korea.





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Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 
