Die frostige Wirtschaftslage zwingt auch Unternehmen außerhalb der USA in einen Sparkurs. George Hu, Executive Vice President für Applications bei salesforce.com betont, wonach den Kunden der Sinn steht: "Die Leute interessieren sich für niedrige Kosten, geringes Risiko und schnelle Umsetzung." Mit über 4.000 neuen Kunden im letzten Quartal und einem Kundenstock von 47.000 (Stand Anfang November) ließe sich argumentieren, dass das kalifornische Unternehmen weiß, wovon es spricht.
Für salesforce.com, das gehostete CRM-Lösungen als Kernprodukt anbietet, fließt Geld aus zwei Quellen: durch Mieteinnahmen für Software und durch Kundensupport. Die Vorteile für Kunden, Software zu mieten anstatt zu besitzen, liegt laut salesforce auf der Hand: Hohe Investitionskosten für Hardware und Infrastruktur werden in monatlich verdaubare Happen umgewandelt. Langwierige Implementierungsprojekte sind seltener, weil Software aus der Wolke typischerweise etwas einfacher gestrickt und dafür schneller verwendbar ist.
Kunden in Europa allerdings liegt vielerorts noch im Magen, dass kritische Unternehmensdaten auf fernen Servern gelagert werden. Da Organisationen wie Citibank sich mit Cloud Computing anfreunden, dürfte sich die Einstellung bezüglich Sicherheit aber demnächst verändern.
Misst man die Begeisterung für das Thema an den Marketing-Inszenierungen von Salesforce-CEO Mark Benioff, dann steht die große Revolution des Cloud Computing unmittelbar bevor. Deshalb stellte das Unternehmen seine Hausmesse "Dreamforce", Anfang November in San Francicso, auch unter das Motto: "The Cloud Computing Event of the Year". Benioff hat sichtlich Spaß daran, sich verbal mit dem Software-Establishment anzulegen. Ankündigungen, dass auch die Konkurrenz Cloud Computing-Angebote vorbereitet, schiebt er mit einem Satz zur Seite, der an Barack Obamas Präsidentschaftskampagne angelehnt ist: "Wir brauchen Veränderung, an die wir glauben können".
Eine Wolke für alle Fälle?
Analysten sind sich einig, dass das Thema Cloud Computing eine kritische Masse erreicht hat. Zwar warnt Gartner davor, dass unterschiedliche Ansichten, worum es sich bei Cloud Computing tatsächlich handelt, zu Verwirrung im Markt führen. An der Trendwende dürfte dies aber nichts ändern: "Die erwartete Verlagerung zu Cloud Computing wird dramatisches Wachstum in manchen IT-Bereichen zur Folge haben und gleichzeitig deutliche Rückgänge in anderen", resümiert Gartner Vice President Jim Tully.
Unternehmen, die Cloud-Lösungen bereits im Angebot haben, bauen diese gerade aus. Der Rest doktert an seinen Portfolios. Capgemini etwa baut ein "Cloud Computing Center of Excellence" auf, das Teams in Europa, Nordamerika und Indien haben soll. Neben Consulting werden auch Entwicklung und Migration angeboten. Der Fokus liegt auf drei Bereichen: Applikationsentwicklung, Oracle ERP und Microsoft SharePoint.
Die Wolken der Großen
Microsoft stellte zuletzt auf seiner "Professional Developers Conference" Windows Azure vor, das sich um Hosting und Management von Diensten in der Internetwolke kümmern soll. Unternehmen können damit SaaS-Angebote oder PaaS (Platform as a Service) anbieten. Betrieben soll Windows Azure in den Rechenzentren von Microsoft werden.
Schwieriger gestaltet sich das Thema Cloud Computing für SAP. Dies ließ Co-CEO Léo Apotheker auf einer Pressekonferenz in New York anklingen. Einkünfte sind bei dem neuen Modell anders verteilt, der Geldfluss verändert sich von großen Batzen zu kleineren monatlichen Einheiten. Bei der Hausmesse "TechEd" in Berlin gab sich der Co-Chef der Walldorfer zugeknöpft zum Thema. Er verwies darauf, dass das bereits 2007 vorgestellte On-Demand-Produkt "Business ByDesign" in einer "kontrollierten Umgebung" an "gezielte Kunden" ausgeliefert würde.
Für Enterprise-Kunden soll es nach Plänen von SAP Cloud Computing lieber als Zusatz zur bereits installierten Basis an lizenzierter Software geben. Fraglich ist, ob sich Kunden von der Sinnhaftigkeit dieses Mischmodells überzeugen lassen. CEO Henning Kagermann nannte das neue Angebot in einer Präsentation zu Beginn des Jahres "Services ByDesign". Ob der Verkauf auf Abo- oder Lizenzbasis stattfindet, steht noch nicht fest.
Marktbegleiter Oracle hat sich 2005 mit der Übernahme von Siebel ins SaaS-Geschäft eingekauft. Während der Anbieter einerseits betont, seit zehn Jahren beim Thema Cloud Computing zuhause zu sein, schmiedet dieser gerade jetzt an seinem Image, auch hier Kernkompetenz zu besitzen. Auf der hauseigenen Konferenz "OpenWorld" in San Francisco kündigte das Unternehmen an, dass Kunden ihre Oracle-Lösungen nun auch in Amazons Cloud Computing-Umgebung betreiben können. Anwender könnten damit etwa ihre 11g-Datenbank auf der Elastic Compute Cloud (EC2) von Amazon laufen lassen, die seit Mitte Dezember auch in Europa verfügbar ist.
Fraglich ist, inwieweit dies für Kunden, die Kostenreduktionen erwarten, ein gangbarer Weg ist und ob diese bereit sind, weiterhin teures Geld für Lizenzen zu bezahlen. Die Transparenz hinter den neuen Modellen tut den Großen nicht allzu gut. Wenn Kunden Geschmack daran finden, Businessanwendung über die Internet-Wolke und SaaS einzukaufen, und wenn auch andere die Service Levels garantieren, wie wichtig ist dann noch die Marke?
Cloud Computing ist die Zukunft
Monitor sprach auf der Dreamforce 08 in San Francisco mit George Hu, Executive Vice President Applications von salesforce.com
George Hu, Executive Vice President Applications von salesforce.com 
Wir sind offensichtlich Mitbewerber und haben sehr unterschiedliche Visionen. Oracle konzentriert sich auf die alte Welt der Software und hat kürzlich auf der Open World-Konferenz verlautbart, dass es keine Cloud Computing-Strategie hat und nicht an das Thema glaubt. Wir glauben, Cloud Computing ist die Zukunft. Unsere Visionen sind diametral entgegengesetzt.
Salesforce.com verlässt sich in seinem Business auf KMUs. Ist dies in wirtschaftlich schlechten Zeiten ein Vor- oder Nachteil?
Tatsächlich setzt sich unser Geschäft jeweils zu einem Drittel aus kleinen, mittleren und großen Unternehmen zusammen. Unsere Stärke ist, dass wir bei unserem Kundenstock aber auch geografisch sehr vielfältig sind. Ich glaube also nicht, dass wir von einem speziellen Segment abhängen.
Wie wirkt sich die wirtschaftliche trübe Lage nun auf Ihr Geschäft aus?
Die Unterschiede zwischen unserem Modell und traditioneller Software treten deutlicher hervor. Letztere basieren auf fortwährenden Lizenzeinnahmen und sind von großen Deals abhängig. Das Modell des Cloud Computing ist anders, viel vorhersehbarer und gleichmäßiger. Es gibt kein besseres Modell in Zeiten wie diesen.
Mit wieviel Komplexität kann es Salesforce.com denn aufnehmen?
Mark (Benioff, Anm.) zeigte vorhin Folien von Cisco, Dell, Citibank und Japan Post. Das sind Installationen mit vielen tausend Benutzern. Das spricht für unsere Fähigkeit, mit Komplexität umzugehen. Und viele davon integrieren Salesforce.com mit Backend-Lösungen, etwa von Oracle oder SAP. Mehr als 60 % unserer Transaktionen laufen über APIs (Application Programming Interfaces).
Was kann salesforce.com nicht, was etwa SAP kann?
Unser Schwerpunkt liegt auf Applikationen des Front Office. CRM ist unser wichtigster Fokus bei Software. Das Tolle ist allerdings, dass unsere Partner auf Themen wie ERP fokussiert sind. Wir präsentieren unseren Kunden damit ein integriertes Portfolio. Es kommt nicht alles von einem Anbieter, aber in mancher Hinsicht funktioniert das sogar besser. SAP oder Oracle haben verschiedene Produkte, von denen viele nicht wirklich integriert sind, weil sie entweder zugekauft sind oder auf verschiedenen Plattformen basieren.





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Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außen- handelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Seit 1993 arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für die Tagespresse sowie Fach- und Wirtschaftsmedien. Sein Schwerpunkt sind IT-Themen. 
