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25 Jahre MONITOR: 2000
Die Rückkehr auf den Boden der Realität
Das neue Jahrtausend brachte die Telekom-Branche gehörig ins Wanken. Rückblickend war der Crash vorprogrammiert. Die Folge: Die Dot-Com-Companies mussten jetzt mühsam Betriebswirtschaft lernen. Viele überlebten die folgenden schweren Jahre nicht. Im Mobilfunkmarkt ging es heiß her: Die UMTS-Auktion ließ die Kassa des Finanzministers klingeln und öffnete den Weg in die dritte Mobilfunkgeneration.

Die Rundfunk- und Telekomregulierungs- behörde (RTR) hatte 2000 bereits alle Hände voll zu tun. Denn nur drei Jahre nach der Gründung waren insgesamt rund 2.000 Beschwerden bei der Schlichtungsstelle der RTR eingelangt. Während 1998 monatlich noch rund 34 Beschwerden eingebracht wurden, so hatte sich die Anzahl im Jahr 2000 auf 75 Fälle pro Monat mehr als verdoppelt. Vor allem Internetnutzung und Mobiltelefonie ließen die Beschwerden in die Höhe schnellen. Viele Beschwerden betrafen etwa das leidige Thema überhöhte (falsche) Rechnung, Missbrauch des Internet-Zugangs oder fehlende Dokumentation im Umgang mit dem Call Center des jeweiligen Telco-Anbieters.

Das zeigt, dass die Branche viel zu rasch über sich hinaus gewachsen war. Damit ist auch bereits ein Grund genannt, warum die völlig überhitzte Dot-Com-Blase im Jahr 2000 platzte. Ein weiterer Grund war sicher der fortschreitende Preisverfall, den wohl kein Unternehmen richtig eingeplant hatte: Als Preistreiber betätigten sich die großen alternativen Anbieter UTA und Tele2. So mischte UTA im Herbst 1999 mit dem Festnetz-Telefon-Tarif von 88 Groschen pro Minute (6,4 Cent) österreichweit, sekundengenau abgerechnet, rund um die Uhr, den Markt neu auf. Im Juni 2000 erfolgte bei UTA der nächste große Sprung nach unten: nur mehr 33 Groschen (2,4 Cent) in der Freizeit (von 18 bis 8 Uhr) und 77 Groschen (5,6 Cent) pro Minute in der Geschäftszeit (von 8 bis 18 Uhr). Tele2 Österreich, erst im Frühjahr 1999 in Österreich an den Start gegangen, verlautbarte im Oktober 2000 stolz, der größte alternative Festnetzanbieter zu sein und hatte zu diesem Zeitpunkt laut Eigenangabe 265.000 Festnetz-Kunden. Neben diesen großen Playern am Markt waren in der Telekom-Branche zahlreiche andere Anbieter und Dienstleister "aus dem Boden" geschossen.

Crash der Branche

Viele Investoren hatten sehr viel Geld in diese "Zukunftsunternehmen" gesteckt, von denen sie sich künftig hohen Gewinn erwarteten. Die Zweifel wurden erst lauter, als die ersten der vermeintlichen Hoffnungsträger Insolvenz anmelden mussten. Als im März 2000 die Kurse in Deutschland zu sinken begannen und vermehrt Verkäufe getätigt wurden, brach der Markt vollends in sich zusammen. In Österreich kam die Krise etwas zeitverzögert. Symptomatisch war der Fall von Cybertron. Der alternative Telekom-Anbieter, der im November 1999 an die Börse gegangen war, hatte noch Anfang 2000 angekündigt, Ende des Jahres den Break Even zu erreichen. Die Realität sah anders aus: Der Verlust Ende 2000 hatte sich gegenüber dem Vorjahr auf 41,6 Mio. Euro fast verdreifacht. Bis zum "Aus" dauerte es allerdings noch eine Weile: Im Juni 2002 wurde das Ausgleichsverfahren gegen Cybertron eröffnet.

Drei weitere namhafte New Economy-Unternehmen verschwanden 2001 in Österreich: Neben der LCI-Gruppe und MCN war Yline die drittgrößte New-Economy-Insolvenz dieses Jahres, erklärte damals der Kreditschutzverband von 1870 (KSV). Auch Fusionen und Übernahmen waren an der Tagesordnung. So zog Raiffeisen selbst die Notbremse und verkaufte Ende 2000 seinen Internet Provider netway an UTA.

Bahn frei für UMTS

Andere Sorgen beschäftigten die Mobilfunkbranche. Nachdem sich WAP (Wireless Application Protocol) als Flop herausgestellt hatte (GPRS war einfach ein zu langsamer Datenübertragungsstandard), war klar, dass nur eine schnellere Funktechnologie mobiles Internet in der Zukunft erlauben würde. Daher setzten die Anbieter alles daran, um UMTS-Lizenzen zu "ergattern". Im Gegensatz zu Deutschland kamen die Bieter bei der österreichischen UMTS-Auktion mit einem "finanziellen blauen Auge" davon.

Die Gesamteinnahmen aus der Auktion betrugen 11,443 Mrd. Schilling (rund 831 Mio. Euro), der damalige Finanzminister Grasser war darüber übrigens recht enttäuscht, er hätte lieber 30 oder 40 Mrd. Schilling (2,2 bis 2,9 Mrd. Euro) gehabt, sagte er. Jeder Bieter (mobilkom, max.mobil, One, tele.ring, 3G Mobile und Hutchison Whampoa) erhielt in der ersten Runde zwei Pakete - und somit je eine Lizenz. Im zweiten Abschnitt wurden fünf ungepaarte Frequenzpakete versteigert, wobei die sechs erfolgreichen Bieter der ersten Runde maximal je eines dieser Frequenzbänder ersteigern konnten. max.mobil und mobilkom erhielten jeweils zwei Pakete aus diesem Bereich, Hutchison eines, One, tele.ring und 3G Mobile keines.

Die Netzbetreiber waren mit dem Ergebnis der Auktion zufrieden. "Die Vernunft hat gesiegt. Das realistische Verhalten der Bewerber und der Regulierungsbehörde schafft eine sichere Basis für den Aufbau von UMTS", sagte damals One-Geschäftsführer Jørgen Bang-Jensen in einer ersten Reaktion. Auch tele.ring zeigt sich in einer Aussendung "befriedigt über den Umstand, dass die wirtschaftliche Vernunft in Österreich gesiegt hat". Allen Mobilfunkanbietern standen ohnehin neuerliche Investitionen bevor: Die Errichtung eines neuen Hochleistungs-Netzes. Damit waren sie in den nächsten Jahre schwer beschäftigt. Bis zur Einführung und Marktreife des mobilen Internets sollte es aber noch Jahre dauern. HSDPA wurde in Österreich 2005 eingeführt, der HSUPA-Start kam 2007.

So trägt die UMTS-Auktion aus dem Jahr 2000 erst jetzt richtig Früchte: 2008 hat ein wahrer Boom für mobiles Internet eingesetzt.

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MONITOR-Autoren
Dipl.-Hdl. Ing. Ernst Tiemeyer

bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. ..mehr..

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