Dass die großen Telekom-Anbieter ihre Netze auf "Glas" umstellen, ist nichts Neues. Neu ist jedoch, dass "FTTX" (fiber to the ...) laut Expertenmeinung auch hierzulande groß im Kommen ist. Das "X" steht dabei für den Punkt, bis wohin die Glasfaser reicht bzw. wie nahe sie letztlich an den Endpunkt (User) heranreicht: Also etwa FTTH (fiber to the Home), FTTD (desk), FTTO (office), FTTB (building) oder FTTN (node) - um nur einige der vielen Bezeichnungen zu nennen. Auf Einladung von Marktforscher IDC präsentierten die drei Anbieter Brand-Rex, Huber+Suhner sowie FibroLan Anfang September ihr Glasfaser-Know-how und zeigten, inwieweit Glasfasernetze auch für Unternehmen heute eingesetzt werden können.

„Mit speziellen Steckern für Glasfasernetze können wir Lichtwellenleiter sogar in die Wohnzimmer tragen und damit neue Angebote für Heimnutzer ermöglichen.“ - Rudi Fuchshuber, Huber+Suhner
Vor allem auch für große Unternehmen wird die Glasfaserverkabelung künftig eine wichtige Option in der Beschleunigung des internen Datenverkehrs. Ein derzeit gängiges Verfahren sind Fasereinblassysteme, ein Verfahren, das von der British Telecom bereits Anfang der achtziger Jahre entwickelt und 1982 patentiert wurde. Bei Brandrex werden solche Systeme unter dem Produktnamen "Blolite" in verschiedensten Variationen angeboten, "dabei handelt es sich um eine zukunftssichere Low-Cost-Lösung", erläuterte Wolfgang Engstler, CEE-Manager bei Brand-Rex. Mit dem Blolite-System ist eine Verkabelung für drinnen und draußen möglich. "Zu beachten ist allerdings immer die Streckenführung, je weniger Kurven, desto höhere Einblasweiten sind möglich", erläuterte Engstler. Ein Vorteil sei auch, dass "die vorhandenen Glasfasern jederzeit wieder ausgeblasen werden können, um sie gegen neuere, leistungsfähigere zu tauschen". Bislang haben sich allerdings erst große Kunden wie Wienstrom (s.Kasten), die Nationalbank oder das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder für die Blolite-Technologie entschieden.

„Zu beachten ist allerdings immer die Streckenführung. Je weniger Kurven, desto höhere Einblasweiten sind möglich.“ - Wolfgang Engstler, Brand-Rex Austria
Dass Österreich, aber auch Osteuropa für Glasfasernetze ein guter Markt sein wird, glaubt auch die israelische Firma FibroLan, die heuer im Frühjahr ihre CEE-Niederlassung in Berndorf/NÖ. eröffnet hat. Datenumwandlung ist das Geschäft von FibroLan. "Wir ermöglichen den Providern die verschiedensten Dienste über Glasfasernetze zu übertragen und auf der anderen Seite wieder in elektrische Signale zurückzuverwandeln", erklärt der österreichische FibroLan-Geschäftsführer Gernot Muhr. Erst im September hat FibroLan sein WDM-Produkt-Portfolio wieder erweitert. "

„Mit unserem neuen Wellenlängenmultiplexverfahren (WDM) übertragen wir bis zu 20 verschiedene Dienste über eine Faser und das mit Band- breiten bis zu 10 Gbit/s.“ - Gernot Muhr, FibroLan
FibroLan hat zur Zeit über 20 Carrier Kunden, darunter Telstra, Tele2, AT&T, Orange sowie die heimische Salzburg AG. Immer mehr zählen auch Unternehmen sowie der öffentliche Sektor (Gemeinden, Stadtwerke) zu den Kunden. Mit Blick in die Zukunft zeigte sich Muhr als Verfechter eines aktiven optischen Netzwerks: "Das ist wesentlich flexibler, einfacher zu managen, und die Erweiterung des Netzes ist auch einfacher". Insgesamt seien daher die etwas höheren Kosten (im Vergleich zum passiven optischen Netzwerk) gerechtfertigt.
Bisher sind Glasfasernetze in den meisten Fällen nicht bis zum Verbraucher, also zu Privatkunden und Firmen gelegt, sondern bilden quasi das Rückgrat der Kommunikationsnetze, deren "letzte Meile" dann oft Kupfer-Doppeladern oder Koaxialkabel sind. Beim Übergang von den Glasfaserkabeln in die Kupferleistungen wird das ankommende optische Signal in den entsprechenden Verteilerkäste durch Umwandler gewandelt und über elektrische Impulse bis zu den jeweiligen Wohnungen/Endpunkten weitergeleitet. Im Zuge des erhöhten Bandbreitenbedarfs in den letzten Jahren verlegt man jedoch das Ende der optischen Übertragung immer näher zum Kunden. So wurden die weltweit ersten Glasfaser-Ortsnetze von der Telekom unter der Bezeichnung OPAL bereits Anfang der neunziger Jahre mit Betriebsbeginn im Jahr 1993 installiert.
Unter dem Namen "Blizznet" www.blizznet.at arbeitet die städtische Wienstrom seit einigen Jahren am Ausbau der Glasfaserinfrastruktur im Wiener Stadtgebiet. Derzeit sind etwa 8.000 Haushalte angeschlossen, nach einem 2007 angekündigten Investitionsschub von 10 Mio. Euro sollen bis Ende 2009 Anschlüsse für zusätzliche 50.000 Haushalte geschaffen werden. In 10-15 Jahren will der Betreiber den Service im Wiener Stadtgebiet flächendeckend anbieten können. Geschäftskunden werden von der Wienstrom direkt betreut; das Angebot an Privatkunden übernehmen Vertragsunternehmen wie die Telekom Austria und neotel. Bisher steht blizznet allerdings nur in wenigen Gebäuden in wenigen Bezirken (3, 10, 11, 12, 16, 22 und 23 zur Verfügung). Ein interessantes Beispiel einer privaten Initiative in Kooperation mit der Gemeinde ist das Glasfasernetz im oö. Ried im Innkreis, realisiert vom Systemhaus Infotech.





11-12/2009
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bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 
