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25 Jahre MONITOR
Bill Gates
Wegbereiter der PC-Revolution
Niemand erwartete, dass sich mit Software Geld machen lässt. Dann kam Bill Gates und die Welt bekam Windows und erschwingliche Computer: die Geschichte eines herausragenden Geschäftsmannes.

Bill Gates

Der Slogan, dass auf jedem Schreibtisch und in jedem Haus ein Computer stehen sollte, auf dem Microsoft-Software läuft, sei Mitte der 80er-Jahre noch ziemlich verrückt gewesen. Nathan Myhrvold, ehemals CTO bei Microsoft, erinnert sich an die Anfänge des weltgrößten Software-Unternehmens. Als Antwort bekam die junge Microsoft-Truppe damals zu hören, dass weder das eine noch das andere realistisch sei: Die meisten Geschäftsleute bräuchten keinen Computer und im Haushalt ließe sich dieser ja wohl auch nicht verwenden. Doch der Wind drehte so schnell wie selten zuvor. Innerhalb kürzester Zeit hieß es: "Mein Gott, natürlich braucht jeder einen Computer!", erzählt Myhrvold.

Uni-Abbrecher mit Vision

Getrieben wurde die Entwicklung von Bill Gates, Gründer und Chairman von Microsoft, bis zum Jahr 2000 auch CEO, danach Chief Software Architect. Der Harvard-Abbrecher mit übergroßer Brille und Vorliebe für Pullover zog die einflussreichste Software-Firma hoch und mauserte sich dabei zum reichsten Mann der Welt. Sein 1975 gegründetes Unternehmen sollte die Branche für die kommenden Jahrzehnte dominieren wie kein anderes. Gates wurde dabei, je nach Wetterlage, zu einer Art IT-Lichtgestalt oder zum rücksichtslosen Geschäftemacher schlechthin stilisiert.

Der erste große Deal von Microsoft ist unterdessen IT-Legende. IBM befand sich 1980 auf der Suche nach einem Betriebssystem, um beim Geschäft mit Desktop-Computern einen Fuß in die Tür zu bekommen. Gates sprach beim Hardware-Riesen vor und verkaufte diesem schließlich ein Produkt, das er noch nicht zur Verfügung hatte. Das flugs hinzugekaufte Betriebssystem QDOS wurde erst nach Abschluss des IBM-Deals in MS-DOS umgewandelt. "Wir schrieben in der Vertrag hinein, dass wir ebenfalls das Recht hätten (MS-DOS; Anm.) für PC-kompatible Geräte zu lizenzieren, falls andere Firmen mit ähnlichen Maschinen auf den Markt kommen sollten", resümiert Bill Gates in einem Video.

Die Entwicklung trat schließlich ein und legte den Grundstein für das riesige Wachstum von Microsoft und seine Monopolstellung. Heute kassiert Microsoft auch Gelder, wenn auf PCs kein Windows installiert ist. Gleichzeitig legte die Verbreitung eines standardisierten Betriebssystems den Grundstein für die PC-Revolution: Nur so wurden Massenproduktion und die damit sinkenden Preise möglich.

Dass sich mit Software Geld verdienen lassen sollte, schien Mitte der 80er-Jahre dennoch überraschend. So titelte das US-Nachrichtenmagazin "Time" in seiner Ausgabe vom 19. April 1984 "Computer Software - Die Magie im Inneren der Maschine". Bis heute wurde Windows in seinen verschiedenen Versionen mehr als eine Milliarde Mal verkauft. Hinzu kommt die Bürosoftware Office. Beide finden sich weiterhin auf 90% aller PCs.

Karriere Nummer zwei

Am 27. Juni verbrachte Gates seinen letzten Tag als Vollzeitmitarbeiter des Konzerns. Seither steht er diesem nur noch als non-executive Chairman zur Verfügung und geht seiner zweiten Karriere als Berufswohltäter nach. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Melinda French Gates lenkt er die Geschäfte der "Bill and Melinda Gates Foundation".

Und auch hier sind wiederum Superlativen im Spiel. Im Jahr 2000 gegründet und seit 2006 vom Milliardär Warren Buffet unterstützt, verfügt die Stiftung über knapp 40 Mrd. Dollar (25 Mrd. Euro). Laut Angaben des US-Magazins "Fortune" sollen in den nächsten Jahren von Seiten Buffets weitere 40 Mrd. Dollar hinzukommen. Derart ausgestattet, wendet sich Gates den "ärmsten drei Milliarden Menschen zu", um unter anderem eine bessere Gesundheitsversorgung zu ermöglichen, wie er in einem Gespräch formulierte.

Netscape und andere Makel

Trotz seiner Wirtschaftskraft schien Microsoft nicht davor gefeit, zu manchen Trends zu spät zu kommen. Andere erwischte man gerade noch rechtzeitig - darunter das Internet. Die Firma Netscape Communications hatte mit ihrem Browser schon längst das Internet für Millionen Benutzer erschlossen, als Microsoft sich dem Thema erst anzunehmen begann. Doch danach ging alles schnell. Die Windows-Macher verankerten den Browser Internet Explorer als festen Bestandteil des Betriebssystems. Dies ließ den Marktanteil von Netscape von über 90% auf weniger als ein Prozent im Jahr 2006 fallen. Microsoft zog sich damit zwar ein langwieriges Antitrust-Verfahren zu, konnte eine Zerschlagung jedoch abwenden.

Den Zeitpunkt für den Abgang Gates' beurteilen manche Beobacher als denkbar ungünstig. Mit Visionen ist es bei Microsoft in den letzten Jahren nicht weit her. Abgesehen von der Spielekonsole Xbox wollen Innovationen nicht mehr so einfach gelingen. Das Betriebssystem Vista legte einen bestenfalls lauen Start hin, zahlreiche Unternehmen wollen die Version überspringen. Wenig Glück hatte man auch beim Einstieg ins Musikbusiness. Der MP3-Player Zune floppte samt dazu gehörigem Musikabodienst. Ebenso scheiterte die angestrebte Übernahme der Suchmaschinenfirma Yahoo! Dies sei Grund genug, so die Argumentation einiger Experten, den Visionär der ersten Stunde nicht einfach von Bord zu lassen.

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Dipl. Ing. Rüdiger Maier

Rüdiger Maier war von 1999 bis 2009 MONITOR Chefredakteur ..mehr..

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